Jugendstil für den Verleger

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Direkt neben dem im letzten Beitrag vorgestellten Jugendstilhaus in der Nationalallee steht ein anderes, nicht minder schönes Jugendstilgebäude: Das Topič Haus (Topičův dům). Obwohl man wirklich nicht weiß, welches von den beiden Gebäuden das schönere ist, gilt das IMG_3000Topič Haus in Kunstführern als eines der zentralen Meisterwerke des Art Noveau der Stadt. Architekt war auch hier wieder Osvald Polívka, der das Haus anstelle eines älteren Empirehauses in den Jahren 1905/06 für den Verleger und Kulturmäzen  František Topič (der den Vorgängerbau 1894 erworben hatte) erbaute, und der unter anderem Literaturgrößen wie Svatopluk Čech oder Jan Neruda entdeckt hatte.  Fortan fand hier, in der Národní 1010/9, ein wesentlicher Teil des Kulturlebens IMG_3011der Stadt statt.

Das Haus wurde vor allem innen 1937 einigen architektonischen Modifikationen im funktionalistischen Stil unterworfen, aber die Fassade zur Straße hin ist immer noch reinster Jugendstil. Kunstvolle Reliefs voll symbolistischer Allegorik, florale und zoomorphe Ornamente – immer wieder ästhetisch ansprechend, aber vor allem werbewirksam gekrönt vom Namenszug Topičs – IMG_3009verdichten sich zu einem farbenfrohen Gesamtkonzept, das Aufsehen erregt.

Allefalls die etwas phantasielos daherkommende Vorderfont der Bank, die im Erdgeschoss ihren Geschäften nachgeht, mindert den ansonsten überwältigenden Gesamteindruck.

Seine Blütezeit als Verlagshaus hatte das Gebäude unter Topič in der Zwischenkriegszeit. Hier wurde nicht nur Literatur gedruckt, sondern es gab in den Kunsthallen des Gebäudes große avantgardistische IMG_9296Kunstausstellungen nebst ebenso avantgardistische Musik- und Theaterdarbietungen. Doch bald zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Die Nazibesetzung beschädigte den Betrieb und als Topič 1941 starb, wurde aus dem Unternehmen des Gründers eine bloße GmbH, die dann im Jahre 1949 auch noch von den Kommunisten verstaatlicht wurde.

Das Ende der kommunistischen Tyrannei brachte auch eine Wende für das Gebäude, das bald wieder seinem ursprünglichen umfassenden kulturellen Zweck dienen durfte. Das Haus wurde an Nachfahren die Topičs restituiert und seit 2008 wird hier der Topič Salon (Topičův salon) betrieben, der eine führende Kunstgalerie und ein kleines Theater betreibt – so wie es Topič sicher gefallen hätte. (DD)

 

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