Mit Krone und Automatenrestaurant

Koruna

Der Dachaufsatz auf dem Turm wirkt ein wenig wie eine Krone (auf Tschechisch: Koruna) und deshalb heißt das Gebäude ganz am westlichen Ende des Wenzelsplatzes (Václavské náměstí 846/1) auch  Palác Koruna (Kronen Palais). Nicht nur, weil der über dem IMG_2988Bauwerk herauswachsende Turm die umliegenden Gebäude etwas überragt, fällt das Koruna Palais auf.  Es ist der strenge – fast schon ins Art Déco übergehende – Spätjugendstil, der unmittelbar ins Auge sticht. Gebaut wurde das Palais in den Jahren 1912 bis 1914 von den Architekten Antonín Pfeiffer and Matěj Blecha. Die dekorativen Skulpturen oben am Turm stammen von dem Bildhauer Vojtěch Sucharda. Obwohl die oberen Stockwerke primär als Bürogebäude dienen – ursprünglich war es das Hauptquartier einer Versicherung -, wurde das Gebäude von Anfang an sehr vielseitig genutzt. Im Erdgeschoss befinden sich in einer großen Passage immer noch viele Restaurants und Läden. Bis die neue Metrolinie 1978 die Untergeschosse reduzierte, gab es hier ein Theater, ein Kino, ein Tanzcafé und IMG_2992sogar ein großes Dampfbad.

Der wahre Hit war allerdings ein ganz besonderes Restaurant. 1931 wurde im Obergeschoss erstmals im Lande ein sogenanntes Automatenrestaurant eröffnet. Es handelte sich um die Erfindung des deutschen Ingenieurs Max Sielaff. Hier konnten sich eilige Kunden und Angestellte der umliegenden Büros in der Pause schnell einen Snack (meist Salate, Würstchen oder vielfältig belegte IMG_2994Brote) gegen Münzeinwurf aus einem Fach mit Glasklappe ziehen. Bis zu 10.000 Kunden waren es pro Tag, die zu den besten Zeiten des Schnellrestaurants hier bedient wurden – bis es nach einigen Jahrzehnten neue Formen der Fast-Food-Gastronomie aus dem Rennen warfen. Aber man ist im Koruna immer noch stolz, dass man sich etwa in London erst am Prager Vorbild orientieren musste, um dann erst Jahre später solch ein Restaurant einzurichten. Prag in der Zwischenkriegszeit – das war eine glitzernde Weltstadt, die alle anderen locker in den IMG_2995Schatten stellte, wenn es um Modernität ging.

In den Zeiten des Kommunismus gehörte das ganze Gebäude einer staatlichen Firma für den Export von Industrieanlagen. Nach der Wiederherstellung der Demokratie wurde das Gebäude privatisiert und 1996 kräftig saniert, so dass es heute in vollem Glanz erstrahlt. Das sieht man nicht nur von außen, sondern auch von innen in der Einkaufspassage, die sich durch eine lichtdurchflutete Glaskuppel in der Mitte auszeichnet. Unterhalb der Kuppel sind auch die Wände des Zentralraumes der Passage mit Reliefs versehen, die dem Gesamtstil des Hauses entsprechen. (DD)

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