Alte Mühle, modernes Museum

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Das ist der Ort, wo man die Kunst der Moderne des Landes studieren kann: Das Kampa Museum. Originelle, nonkonformistische und avantgardistische Kunst hatte es in den Jahren unter dem Kommunismus nicht leicht. Das im amerikanischen Exil lebende Ehepaar Jan und Meda Mládek (er ein kunstliebender Ökonom und Banker, sie eine IMG_2876bedeutende Kunstkennerin und Publizistin) empfand es als seine Mission, so oft wie möglich in die kommunistische Tschechoslowakei zu reisen, um dort Werke von modernen und dissidenten Künstlern zu erwerben, die keine Chance auf größere Wertschätzung hatten.

Als der Kommunismus endlich weggefegt wurde brachten sie ihre Kunstschätze, die sie zuvor auf Ausstellungen in aller Welt bekannt gemacht hatten, zurück in ihre Heimat, um sie der Öffentlichkeit zu spenden. Es ist eine bedeutende Sammlung, die man nun im Kampa Mueum zum Teil als wechselnde und zum Teil als stehende Sammlung bewundern kann. Zu bestaunen sind moderne Klassiker wie der IMG_2871Maler František Kupka und der kubistische Bildhauer Otto Gutfreund. Auch der Dichter und Bildhauer Jiří Kolář ist reich vertreten. Er schenkte 2002 seine Sammlung dem Museum und vergrößerte es so.

Als Standort wählte man alte Mühle aus dem 14. Jahrhundert, die sehr dekorativ am Moldauufer auf der Kampa-Insel liegt (großes Bild oben) – daher der Name des Museums. Die Sova-Mühle wurde in der Renaissance vergrößert. Im 19. Jahrhundert erfolgte ein weiterer Ausbau unter Einsatz von Dampfkraft. Das heute so charakteristische neogotische Aussehen wurde ihr im Zuge dieses Umbaus verliehen. Es folgte ein wirtschaftlicher Niedergang, der darin endete, dass nach dem Ersten Weltkrieg die Stadt das Gebäude zwecks Erhalts aus Gründen des Denkmalsschutzes erwarb. In IMG_2884kommunistischen Zeiten residierte hier eine zeitlang die Akademie der Wissenschaften, dann verfolgte der übliche Verfall durch Vernachlässigung.

2001 begann der Ausbau zum Museum. Der ließ generell das historische Gesamtbild bestehen, ergänzte es aber durch einige avantgardistische Architekturelemente, wie etwa das stählerne Treppenhaus, das in einem gläsernen Turm endet, auf dem sich oben eine Aussichtsplattform befindet. Überall um das Gebäude herum und im Hof befindet sich schon (sozusagen kostenlos besichtigbar) moderne Bildhauerkunst, etwa die berühmten gelben Pinguine, über die wir schon hier berichteten. Die Museumsräume sind hell und sehr schlicht modern IMG_2885eingerichtet, beziehen aber Elemente der alten Mühle mit ein. Sie sind ein Beispiel für gelungene moderne Museumsarchitektur.

So wie sich das Kampa Museum heute darstellt, ist schon so etwas wie ein Gesamtkunstwerk, in dem die ausgestellte Kunst und die Architektur, in der sie sich befindet, zu einer geschlossenen Einheit verschmelzen.

Ein gutes kleines Museumsrestaurant mit einer einladenden Terrasse am Ufer (und entsprechend großartiger Aussicht) rundet das Bild ab und ist an schönen Sommertagen ein besonderes Extra. (DD)

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