Wo der Spracherfinder wohnte

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Josef Dobrovský (1753-1826) ist einer der „Erfinder“ der modernen tschechischen Sprache. Seit der Übernahme Böhmens durch die österreichschen Habsburger nach der Schlacht am Weißen Berge 1620 (siehe Beitrag hier) war das Tschechische immer mehr von der deutschen Amtssprache verdrängt und in die Rolle einer kruden „Bauernsprache“ verbannt worden. Ende des 18. Jahrhunderts erwachte unter tschechischen Intellektuellen der Wunsch, dem eigenen Volk mehr Rechte und eine eigene Identität zu verschaffen. Die Entwicklung des Tschechischen zu einer echten Hochsprache war dabei ein Kernanliegen. Der weitgereiste Gelehrte und Kenner der slawischen Sprachen Dobrovský widmete sich diesem Anliegen in einem Maße und mit solcher Gründlichkeit, das er bis heute dafür Verehrung im Lande erfährt. Seine wichtigsten Werke sind die „Geschichte der böhmischen Sprache und Literatur“ (1792) und die erste moderne Grammatik der Sprache unter dem Titel „Lehrgebäude der böhmischen Sprache“ (1809). Sein Schüler Josef Jungmann (früherer Beitrag hier) vollendete sein Werk mit einem Wörterbuch.

Sein Denkmal bzw. seine Büste wurde 1891 aufgestellt und basiert auf einem Entwurf des Prager Bildhauers Thomas (Tomáš) Seidan und wurde von Václav Žďárský IMG_1544ausgeführt. Die Inschrift lautet: „Josef Dobrovský tvůrce slavistiky zakladatel novočeské literatury 1753 – 1829“, was auf Deutsch bedeutet: „Josef Dobrovský, Schöpfer der Slawistik und Gründer der neutschechischen Literatur 17543-1829“. Es steht wunderschön gelegen in der großen Parkanlage der Kampainsel auf der Kleinseite – mitten im Grünen.

Das Denkmal steht genau vor einem kleinen Barockhaus, in dem Dobrovský einige Jahre gelebt hatte, und das ihm von seinem Gönner Graf Nostitz überlassen wurde. Später lebte der bekannte Schauspieler und Schriftsteller Jan Werich in dem Haus. Das Gebäude beherbergt kein Museum oder ähnliches. Im Erdgeschoss befindet sich aber ein kleines Café mit Eisdiele, wo man sich gemütlich zu einem Eisbecher hinsetzen und das Denkmal des großen Dobrovský immerhin von hinten bewundern kann. (DD)

 

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