Hasenbier und Hasenbiereis im alten Keller

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Was wäre Prag ohne seine Brauereikeller? Einer davon ist das U Zajíce (Zum Hasen) in der Michalská 432/12 mitten in der Altstadt. Es handelt sich um den IMG_0995Prager Ableger der 1595 gegründeten Kynšpersky-Brauerei im 90 Kilometer östlich von Prag gelegenen Kynšperk. Die Brauerei IMG_1010dort wurde im 19. Jahrhundert von der Familie der Freiherrn Haas von Hasenfels betrieben und vergrößert, weswegen der Hase als Wappentier, Logo (großes Bild oben) und so etwas wie Maskottchen allgegenwärtig ist. Selbst einige der Kellnerinnen (aus genderpolitisch geradezu fragwürdigen Gründen aber nicht die Kellner) tragen Hasenöhrchen auf dem Kopf.

Der Keller und das Haus, in dem sich die Brauereigaststätte befindet, ist steinalt und lässt sich mindestens bis in das Jahr 1422 zurückverfolgen. Haus zur goldenen Melone hieß das Gebäude dereinst. IMG_0992Ab dem 19. Jahrhundert bis in das 20. hinein betrieb man drinnen eine Tanzschule und einen kleinen Konzertsaal, in dem sogar Tschaikowsky, Grieg, Rubinstein und Rachmaninow gespielt haben sollen.

Die Braugaststätte ist aber in neuerer (postkommunistischer) Zeit hierhin gekommen. Das musikalische Erbe des Hauses wird nur noch in Form von moderner Popmusik aus dem Lautsprecher kultiviert. Wir fanden die sogar einen kleinen Tick zu laut. Bei jungen Leuten, die die Mehrheit des Publikums zu stellen scheinen, kommt das aber gut an. Trotzdem ist der Platz das, was er ist – eine traditionelle Braugaststätte eben, die nicht IMG_0997angebiedert juvenil daherkommt. Und das alte Gewölbe mit seinen Jahrhunderten auf dem Buckel strahlt die für ein Lokal dieser Art essentielle Urigkeit aus.

Der Hit ist allerdings das Bier. Meist sind mindestens sechs Sorten im Angebot und die sind schon das Feinste vom Feinsten. Man kann sich einen Degustations-Set mit kleinen Gläser jeder der sechs Sorten bestellen. Oder man fängt halt gleich mit einem Lieblingsbier im großen Glas an. Bei mir ist IMG_1001das mal das Dunkle und mal das Halbdunkle (Bild rechts). Aber selbst die auf den ersten Blick ungewöhnlichen Sorten wie „Nessel“ und „Honig“ sind keineswegs zu verachten!

Die Speisen sind gediegene tschechische Hausmannskost wie sie typisch für Braugeststätten dieser Art. Nicht exorbitant, aber eine gute und solide Grundlage für den eigentlichen Zweck – dem Bierkonsum. Der Gulasch und die Haxe sind ebenso dabei wie kleinere Speisen, etwa das hier abgebildete Tartarsteak mit Topinky. Das sind frittierte – und somit feste – Brotscheiben, die man selbst kräftig mit den mitgelieferten scharfen Knoblauchzehen einreibt. IMG_1002Typisch tschechisch und wirklich lecker ist das! Der echte kulinarische Hammer – und hier ist das U Zajíce wirklich Spitze! – ist eines der Desserts: Das Biereis! Dieses tatsächlich wunderbar nach Bier schmeckende Sorbet wird in einer Biermaß serviert mit ordentlich Sahne drauf. Wow!

Überhaupt wird das Bier noch vielfach weiterverwendet – etwa bei der leckeren Bier-Tiramisu oder beim Bierbrand. Ja, der Bierkeller zielt auf ein jüngeres und touristisches Publikum ab, aber das sollte niemanden von einem Abstecher abhalten, der gerne mal wirklich richtig gutes Bier mit allem, was dazugehört, genießen möchte. (DD)

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