Ein Schloss mit drei Türmen

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Nur wenige Kilometer südwestlich von Prag liegt – in Ausflugsnähe! – das Städtchen Mníšek pod Brdy mit seinem außergewöhnlichen Schloss. Außergewöhnlich ist schon die äußere Form. Der regelmäßig quadratische Bau hat an fast jeder Ecke einen identisch aussehenden Turm mit Barockhaube – aber eben nur fast. Warum der für die SymmetrieIMG_0414 eigentlich unerlässliche vierte Turm fehlt, ist schwer zu sagen. Das macht aber nichts, denn um ein kleines Juwel handelt es sich bei dem Schloss allemal – vielleicht auch gerade deswegen!

In seiner heutigen Gestalt handelt es sich bei Schloss Mníšek eindeutig um ein Barockschloss mit klassizistischen Elementen. Aber natürlich lässt sich die Geschichte des Bauwerks noch um viele Jahrhunderte mehr zurückverfolgen. Erste Spuren einer Burg, die Archäologen gefunden haben, stammen aus dem späten 13. Jahrhundert, erstmals erwähnt wird sie in der Zeit Karls IV. im Jahre 1348. 1487 geht sie in den IMG_0406Besitz der Familie der Grafen von Mitrovic über, die bis 1655 die Besitzer bleiben – und leider 1639 erleben, wie schwedische Truppen während des Dreissigjährigen Krieg das Schloss in Schutt und Asche legen. Es traf sich für die Familie daher gut, dass sich 1655 ein finanziell potenter Käufer fand: Servatius Engel. Der war ursprünglich ein Gerber aus den Niederlanden gewesen, hatte sich aber bei der Verteidigung Prags gegen die Schweden 1648 so tapfer hervorgetan, dass er 1651 in den Adelsstand erhoben wurde, und zum Zeitpunkt des Grundstückserwerbs bereits Servatius Engel von Engelsfluss hieß und einen dem Titel gerechten Adelssitz suchte. Zwischen 1656 und 1672 baute er das Schloss grundlegend IMG_0410neu auf. Im wesentlichen verdankt das Bauwerk ihm seine heutige Form. Besonders schön ist die Arkadenfassade (links) im Innenhof gegenüber der Einfahrt.

Es folgte noch einige (für die Baugestaltung nicht so erhebliche) Eigentumswechsel bis dann 1909 Theodorich Freiherr Kast von Ebelsberg das Schloss erbte. Die Familie von Kast modernisierte das Gebäude innen, so dass es den Wohngepflogenheiten des angehenden 20. Jahrhunderts entsprach. 1945 wurde sie enteignet und vertrieben, aber ihr Geist lebt immer noch im Schloss. Im Kern sieht es noch immer so aus, als ob sie dort weiterhin lebten. Die Einrichtung, der IMG_0416Hausrat, die Kunstwerke, die Jagdtrophäen – sie sind alle bestens erhalten.

Die beiden angebotenen Führungen des staatlichen Museumsschlosses werben regelrecht damit, dass man hier Einblicke in das Leben des niederen Adels während der Ersten Republik gewinnen könne. Eine Tour führt durch die repräsentativen Räume, die andere durch die Privaträume (wo man zum Beispiel die Puppensammlung der Kinder sehen kann).

Das Schloss thront über einem kleinen Park, der teilweise erhalten ist, und dessen Mittelpunkt ein großer Teich ist. Die damit verbundenen Wandermöglichkeiten plus das reichhaltige Kulturangebot (sommerliche Schlachtennachstellungen, Kinderführungen, Konzerte etc.) machen das Ganze zu einem idealen Ausflugsort – eine Gelegenheit, die viele Prager (und weit weniger ausländische Touristen) gerne nutzen. (DD)

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