Der Kopf des Gallus

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Betritt man vom Wenzelsplatz aus die Altstadt, so bemerkt man sehr schnell auf der rechten Seite eine Barockkirche, die trotz ihrer eher bescheidenen Größe und ihr Eingezwängtsein im engen Straßengewirr optisch sehr herausragt und definitiv auffällt. Die Kirche des Hl. Havel (Kostel sv. Havla) kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Als sie 1232 von König Wenzel I. gegründet wurde, benannte man sie nach dem IMG_0355Heiligen Havel, der im deutschen Sprachraum (und darüber hinaus) unter seinem kirchlichen Namen als Heiliger Gallus bekannt ist. Der Heilige Gallus war schließlich gebürtiger Ire und trug deshalb keinen slawischen Namen und sein ursprünglicher gälischer Name ist nicht überliefert. Den Heiligen verbindet man als Gründer des nach ihm benannten Klosters St. Gallen meist eher mit der Schweiz.

IMG_0360Dass die Sache dann am Ende doch zu Prag passte, verdanken wir wieder einmal Karl IV., der bekanntlich mit Begeisterung Reliquien sammelte, um sie dann teilweise an Prager Kirchen weiterzugeben. 1353 schenkte er den Kopf des Heiligen der Kirche, die ihn nun dort bis heute aufbewahrt und verehrt. Die somit bedeutender gewordene Kirche zog bekannte Priester an. Der spätere Heilige Nepomuk predigte zum Beispiel hier von 1380 bis 1390.

1627 wurde aus der einfachen Pfarrkirche der Teil eines Klosters, das von den Karmelitern betrieben wurde. Das währte bis 1782 als Kaiser Josef II. im Zuge der Säkularisation das Kloster auflöste und damit St. Havel wieder zur einfachen Pfarrkirche machte.

IMG_0356Inzwischen war die Kirche in den Jahren 1723 bis 1738 kräftig barockisiert worden, so dass man von ursprünglich frühgotischen Bau nur noch wenig sieht. Für die architektonische Umgestaltung war wahrscheinlich der Architekt Ignatz Bayer verantwortlich, der während der Bauarbeiten starb. Die von ihm gestaltete Fassade der Kirche ist jedenfalls überwältigend und lässt den Bau größer aussehen als er ist.

Auffallend viele bedeutende Barockkünstler sind in der auch innen prachtvoll dekorierten Kirche begraben, daunter der Maler Karel Škréta und der Bildhauer, der die Nepomukstatue auf der Karlsbrücke geschaffen hatte, Ferdinand Maximilian Brokoff (siehe Beitrag hier).

Die Kirche als Aufbewahrungsort für den Kopf des Gallus ist normalerweise für Touristen geschlossen, aber während oder unmittelbar vor/nach Gottesdiensten kann man doch schon einmal einen Blick ins das Innere wagen. (DD)

 

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