Schönster Jugendstil: Die Čech-Brücke

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Sie ist die schönste Jugendstilbrücke Prags: die Čech-Brücke (Čechův most). Sie verbindet die Altstadt (auf Höhe des alten Judenviertels) und das Ufer am Letnáberg unterhalb IMG_0203des Metronoms miteinander.

Die Brücke wurde in den Jahren von 1905 bis 1908 nach Entwürfen des Architekten Jan Koula und des Ingenieurs František Mencl erbaut. Weil die Moldau an dieser Stelle (eigentlich kaum sichtbar) etwas weniger breit zu sein scheint als anderswo in Prag, ist sie mit 169 Metern auch die kürzeste Moldaubrücke der Stadt. Doch das, was an Länge fehlt, kompensiert sie aber mit Stil! Zweifellos gehört sie zu den schönsten und prächtigsten unter den Prager Brücken.

IMG_1579Schon von weitem fallen die beiden großen, Fackeln tragenden  Viktoriastatuen auf hohen ionischen Säulen auf, die an beiden Enden hoch in den Himmel ragen (großes Bild mit Kloster Strahov im Hintergrund, kleines Bild links). Die Säulen und Statuen entstanden nach den Entwürfen des Bildhauers Antonín Popp. Der war ein sehr akademischer Künstler und hatte eine starke Vorliebe für klassische (und ab und an patriotische) Motive bei seinen Skulpturen.

Überhaupt: Die Architekur (insbesondere die Pfeiler) und vor allem die Ornamentik kann man nur als überbordend bezeichnen. Dass die Brücke schon früh unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist verständlich. Denn nicht nur oben auf den Säulen, sondern überall an der Brücke wimmelt es nur so IMG_0202von Hydren (Bild ganz unten) und anderen  Meeresgottheiten und anderem mythischen Meeresgetier. Alles wirkt sehr antikisierend! Man kann sich von jeder Seite nähern und findet immer etwas Interessantes zu sehen.

Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Brücke seinerzeit mit den Mitteln der modernsten Technik erbaut wurde. Um das zu sehen, muss man eben halt einmal unterhalb der Brücke entlanggehen und dann nach oben schauen. Dann sieht man die wuchtigen IMG_0201und nüchternen Stahlstreben, die die Brücke stützen. Sie bieten als Kontrast zur äußeren Ornamentik einen ästhetischen Genuss eigener Art. Bei keine Brückentour durch Prag darf diese Brücke fehlen.

Wenn man sie überquert, muss man keine Angst mehr haben, dass man bei Regen ausrutscht. Die Brücke wurde stets (auch in kommunistischen Zeit) sorgfältig Instand gehalten. Nur 1970 veränderte man den Belag. Die Holzpflasterung wurde durch Asphalt ersetzt. Normalerweise wurde ein solcher Eingriff IMG_0203aus kommunistischer Zeit bei Renovierungen nach der Samtenen Revolution von 1989 wieder rückgängig gemacht – etwa bei der Mánesbrücke, wo der ursprüngliche Asphalt wieder freigelegt wurde. Das Holzpflaster war eigentlich viel origineller und schützenswerter, aber für den modernen Straßenverkehr eben doch zu rutschig. So muss man weiterhin mit Asphalt vorlieb nehmen.

Benannt wurde die Brücke übrigens nach dem tschechischen Nationaldichter Svatopluk Čech (1848–1908), den wir bereits hier gewürdigt haben. Der war zu Lebzeiten so populär, dass man der Brücke schon seinen Namen verlieh als er noch lebte. Eine seltene Ehre, gewiss! (DD)

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