Romanische Rotunde

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Prag verbindet man gerne mit dem gotischen Stil aus der Zeit Kaiser Karls IV.. Ab und zu findet man aber auch frühere Baudenkmäler aus romanischer Zeit, darunter etliche Kirchen in Form einer Rotunde (siehe hier und hier). Die Rotunde des heiligen Kreuzes (Rotunda Sv. Kříže) inmitten der Altstadt (Adressse: Karoliny Světlé 1013, Praha 1) ist eines der ältesten Beispiele. IMG_0230Und mit seiner zierlichen Apsis und der mit acht romanischen Rundbogenfenstern versehenen Luzerne auf dem Dach auch eines der hübschesten.

Erbaut wurde sie wahrscheinlich zu Anfang des 12. Jahrhunderts, obwohl manche sie sogar auf das späte 11. Jahrhundert datieren. Urkundlich erwähnt wurde sie aber erstmals 1365 als örtliche Pfarrkirche mit Friedhof. 1625 ging sie in den Besitz des Dominikanerordnes über bis sie dann 1784 das grausame Schicksal vieler Prager Kirchen und Klöster ereilte – sie wurde unter Josef II. säkularisiert und diente fortan an Lagerhalle. Im Laufe der Zeit verfiel sie so sehr, dass man um 1860 sogar diskutierte, sie aus Sicherheitsgründen IMG_0232abzureißen. Kulturbeflissene Prager verhinderten das und erreichten Ende des 19. Jahrhunderts eine Renovierung. Der große Maler Josef Mánes bot sogar an, sie innen kostenfrei zu bemalen, was sich dann aber nicht realisierte.

Dafür fand man Fresken aus dem 14. Jahrhundert (darunter eine „Anbetung der Drei Könige“), die sorgfältig restauriert wurden. Bei neuerlichen Renovierungsarbeiten im Jahr 1977 fand man eine mittelalterliche Münze und den romanischen Fließenboden. Die Kirche ist aber außerhalb der Gottesdienste geschlossen, so dass man sich bei einem Besuch meist mit dem (immer noch beeindruckenden) Äußeren begnügen muss. Die Kirche gehört heute der Altkatholischen Kirche in der Tschechischen Republik (Starokatolická církev v České republice).

Warum wurde sie nach dem Kreuz benannt? Dazu gibt es eine Legende. In heidnischer Zeit soll hier ein Mädchen, das gegen den Willen der Eltern zum Christentum übergetreten war, gekreuzigt und anschließend in einen nahegelegenen Teich geworfen worden sein. In der Nacht richtete sich das Kreuz über dem Wasser von alleine wieder auf – ein Gotteswunder, das die Ausbreitung des Glaubens förderte und zum Bau der Kirche führte. (DD)

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