Populäres Jesuskind

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Es ist schon fast allgegenwärtig: In jedem Souvenirladen gibt es das Jesuskindlein als Postkarte, Schmuckfigur, Schneekugel, Briefbeschwerer oder Kaffeebecher. Die kleine Figur in der Kirche der Siegreichen Jungfrau Maria – Prager Jesulein IMG_0083(Kostel Panny Marie Vítězné –Pražské Jezulátko) auf der Kleinseite ist zweifellos eines der Wahrzeichen der Stadt. Grund genug, sich die schöne Barockkirche, in der sie sich befindet, einmal genauer anzuschauen.

Die barocke Pracht lässt nicht mehr erahnen, dass diese Kirche ursprünglich, als sie 1611 erbaut und 1613 geweiht wurde, ein schlichteres protestantisches Gotteshaus war. Der Sieg der katholischen Seite bei der Schlacht am Weißen Berg 1620 und die anschließende Zwangskatholisierung des Landes gingen auch an dieser Kirche nicht vorbei. Um den Triumph vollständig zu machen, spielte man 1624 auch im neuen Namen auf den Sieg an. Die Kirche wurde bis 1784, als Kaiser Joseph II. sie säkularisierte, zum Besitztum der IMG_0068Karmeliten. Seit 1993 gehört sie wieder dem Orden.

1636 bis 1642 wurde die Fassade kräftig im Stile der Gegenreformation barockisiert. Von der Straße aus wirkt die etwas höher am Hang gelegene Kirche dadurch äußerst imposant.

Auch drinnen war man ganz auf die Gegenreformation eingestimmt. Gemälde vom 1620 siegreichen Kaiser Ferdinand II. und von der Jungfrau Maria, die am Weißen Berg für den Sieg betet, finden sich an den Wänden des Gotteshauses.

Aber natürlich ging es nicht nur um das Nachkarten gegenüber den Protestanten, was heute IMG_0076gottlob auch nicht mehr ins allgemeine ökumenische Weltbild passt, sondern um ein schönes Gotteshaus. Zu den Neuerungen des barocken Umbaus gehört zum Beispiel die große Orgel, die auch heutzutage oft für Konzerte genutzt wird.

Und überhaupt, das Schiff mit seinem prunkvoll angelegten Chorraum und den vielen Seitenaltären ist schon ein sehenswerter Anblick. Das alles wäre schon IMG_0072für sich genommen den Besuch wert. Aber warum strömen jährlich tausende Besucher in die Kirche? Der Grund ist weder die Orgel noch die Barockarchitektur. Es ist vielmehr die berühmte Statuette des Jesukindleins an einem der rechten Seitenaltäre. Sie hat die Kirche quasi zur Wallfahrtsstätte gemacht.

Geschenkt wurde das aus Spanien stammende kleine Kunstwerk der Kirche 1628 durch die Fürstin Polyxena von Lobkowicz. Schon 1631 wurde es in den Wirren des Dreissigjährigen Kriegs von sächsischen Truppen, die auf der protestantischen Seite kämpften, schwer beschädigt. Gottlob gelang es aber, die empfindliche, 47 cm hohe Wachsstatue wieder zu restaurieren, so dass sie 1655 sogar in einer Prozession durch alle Kirchen Prags getragen wurde und vier Jahre später vom Prager Bischof sogar eine Krone aufgesetzt bekam, die sie seit dieser Zeit stets trägt. IMG_0074Der Kult war geboren. Seither kommen die Wallfahrer, darunter sogar Päpste (zuletzt Benedikt XVI. im Jahre 2009), hierhin, um das Jesuskindlein zu sehen.

Das sollte man sogar öfters tun, denn das Jesulein sieht nicht immer genauso aus wie beim letzten Besuch. Die Roben, von denen es (nebst zwei Kronen) satte 46 hat, wechseln – und zwar nach den gemäß der katholischen Liturgie erforderlichen Farben, die dem jeweiligen Abschnitt des Kirchenjahrs zugeordnet werden. Das weiße Kleid (rechts) deutet zum Beispiel auf die Weihnachts- oder Osterzeit hin.

Die Roben sind oft edler Herkunft, hat doch zum Beispiel im 18. Jahrhundert So hat ihrerzeit keine Geringere als Kaiserin Maria-Theresia eine Robe gespendet. Weil das Jesuskind also nicht nur viele verschiedene, sondern auch historisch bedeutsame IMG_0075Kleidungsstücke und Accessoires besitzt, hat man sich irgendwann entschlossen, ein eigenes kleines Museum dafür einzurichten. Der Eingang (der zu einer Wendeltreppe zu einer höheren Etage führt) liegt einige Meter rechts von dem prachtvollen Altar, auf dem sich die Statue befindet (links).

Natürlich sind auch etliche Wunder und Wunderheilungen von dem Jesuskind überliefert, an die man glauben mag oder auch nicht. Unbestreitbar ist ist jedoch die ungebrochene Popularität der Statue als Ausdruck echter Volksfrömmigkeit. (DD)

 

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