Prag Alaaf: Masopust!

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Heute ist Ruusemondach! Die Karnevalsaison erreicht ihren Höhepunkt. Jetzt kann man eigentlich nur an einem Ort der Welt sein: In Kölle am Ring! Es gibt aber auch (wenngleich in geringerem Ausmaß) in Tschechien so etwas wie Karneval. Der heißt hier allerdings Masopust. Es handelt sich eher um ein ländliches Brauchtum, das vor allem in der ostböhmischen Region Hlinecko gefeiert wird – natürlich auch andernorts, aber hier eben so intensiv, dass der örtliche Masopust es inzwischen sogar zum UNESCO-Kulturwelterbe gebracht hat.

IMG_0480Die Ursprünge des Festes sind mit Sicherheit frühmittelalterlich und heidnisch; ein typisches Fest zur Austreibung des Winters, das aber später ins katholische Kirchenjahr integriert wurde. Auch hier ist am Aschermittwoch (popeleční středa) alles vorbei. Wer in der „närrischen Saison“ gerade nicht in Süd- oder Ostböhmen oder in Teilen Mährens ist (sondern etwa wie wir in Köln feiert), der kann sich auch außerhalb der Saison einen Eindruck verschaffen – und zwar durch einen Besuch des Ethnographischen Museums im Kinský Garten, dessen Sammlung der traditionellen Volkskultur Böhmens und Mährens vom 18. bis 20. Jahrhundert gewidmet ist.

Hier gibt es auch eine kleine Abteilung mit Masopust-Kostümen und -Masken. Die sehen volkstümlicher und archaischer aus als ihre rheinischen Gegenstücke. Der Ursprung des Festes in der Winteraustreibung wird sichtbarer. Ganz, ganz entfernt erinnert das Masopust-Brauchtum eher an die schwäbisch-alemannische Fastnacht – zumindest optisch, wie man sich auf den Photos zu diesem Beitrag überzeugen kann.

IMG_0503Das Museum findet mittlerweile Masopust als Thema so interessant, dass es dieses Jahr sogar eine kleine Sonderausstellung mitten in der Saison durchführt. Es handelt sich um Bilder des Photographen Ladislav Vašek, der das heftige karnevalistische bzw. masopustische Treiben in Ostböhmen in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in seinen Bildern verewigt hat (Beispiele Bild rechts). Das war ja noch in kommunistischer Zeit, was irgendwie erstaunlich ist. Aber seltsamerweise taten die Kommunisten nicht viel, um das Feiern von Masopust zu unterbinden. Während christliche Festivitäten unterdrückt oder zumindest behindert wurden, hatte Masopust ja den Ruf des Heidnischen und war kein offizielles Kirchenfest. Den „Jecken“ in Tschechien ermöglichte das daher doch noch einige Freiräume.

Wie gesagt: Es ist eher ein ländlicher Brauch hier. Inzwischen sickert das Brauchtum aber auch in Prag ein. Vor allem im alten Arbeiterviertel Žižkov scheint man inzwischen wild zu feiern. Seit 1993 gibt es sogar einen ansehnlichen Karnevalsumzug dort. Mittlerweile hat auch auf dem anderen Moldauufer die Kleinseite nachgezogen, wo es jetzt ebenfalls einen Umzug gibt – direkt unter der Burg. Man sieht: Karnevalistisch gesehen ist Prag auf dem aufstrebenden Ast. Es kann sich nur noch um Jahrhunderte handeln bis man hier mit Köln gleichgezogen hat. (DD)

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