Werbung mit Wechselstrom

IMG_9457

Nein, dieses einzigartige Fenster hat nichts mit der amerikanischen Firma zu tun, die uns derzeit mit Elektroautos beglücken will. Auch der Namenspatron der Firma, der große Elektroingenieur und Erfinder Nikola Tesla, hat nur insofern ganz entfernt damit zu tun, dass man mit der Abkürzung TEchnika SLAboproudá (dt.: Niederspannungstechnik) werbewirksam auf seinen Namen anspielen wollte. Überhaupt nannte sich die Firma erst ab 1946 „Tesla“. Als sie 1921 gegründet wurde, hieß sie noch Elektra und trug maßgeblich zum guten Ruf der tschechoslowakischen Elektro-, Funk- und Radiotechnik bei. Zwischen 1932 und 1945 gehörte das Unternehmen dem niederländischen Philips-Konzern. Mit der Umbenennung in Tesla kam gleichzeitig die Verstaatlichung durch die (damals noch nicht kommunistische!) Regierung unter Minsterpräsident Beneš. Die Firma schaffte es aber immerhin, sich in den Zeiten des Kommunismus als ein führendes Unternehmen für Radiotechnik im Ostblock zu etablieren. Nach der Samtenen Revolution fiel sie zunächst an einen irischen Investor und seit 2012 steht die privatisierte Firma wieder unter tschechischem Management – ein ziemliches Auf und Ab hat diese Firmengeschichte zu bieten.

Immerhin: Tesla verdankt man eine besondere Sehenwürdigkeit. In der Světozor-Passage (wo es ein berühmtes Kino gibt) in der Vodičkova 791/41 nahe des Wenzelsplatzes findet sich der (eigentlich nicht notwendige) Beweis, dass Werbung auch Kunst sein kann. Der Maler und Illustrator František Hudeček (1909-1990) entwarf das auffallende Glasmosaik mit der Tesla-Werbung am Ende der Passage unmittelbar nach der Namensänderung von 1946. Hudeček war Mitglied der Gruppe 42 (Skupina 42), eine Künstlervereinigung, die einen urbanen Stil mit kubistischen und funktionalistischen Elementen propagierte, und sich 1942 aus Protest gegen die Kulturgleichschaltung der Nazis gebildet hatte. Nach 1948 wurde die Gruppe übrigens wegen ihres avantgardistischen „Formalismus“ von den Kommunisten, die gerade die Macht ergriffen hatten, verboten.

Das vor allem an Sonnentagen beeindruckend farbige Mosaik selbst stellt eine Wechselstromwelle dar, die von elektrischen Funkensternen und sich kreisförmig ausbreitenden Radiowellen umgeben ist. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s