Karl als Turmfigur (mit Sohn Wenzel)

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Karl IV. begleitet uns schon seit einigen Tagen. Zuletzt ging es um die Statue aus dem 19. Jahrhundert, die neben der 1357 erbauten Karlsbrücke am Altstadtufer steht. Schaut man von dort aus aber nach oben, dann erkennt man die einzige skulpturale quasi-zeitgenössische Darstellung des Kaisers – ein Werk von kunsthistorischer Bedeutung, das IMG_9504man leicht übersehen kann. Sie befindet sich über dem Torbogen auf Höhe des zweiten Stockwerks des Altstädter Brückenturms (kleines Bild links). Der Turmbau wurde noch zu Lebzeiten Karls im Jahre 1370 begonnen und 1380 (zwei Jahre nach seinem Tode) fertiggestellt.

Da war bereits sein Sohn Wenzel IV. an der Macht. Naja, das mit der Nummerierung ist erklärungsbedürftig, weil die in Touristenführen üblichen Bezeichnungen „Karl IV.“ und „Wenzel IV.“ im Zusammenhang mit den Turmfiguren irreführend sind. Auf der Rangebene Wenzels IV. war Karl IV. eigentlich Karl I. Klar? Anders erklärt: Als deutscher Kaiser war Karl tatsächlich Karl IV., während Wenzel hingegen Wenzel I. gewesen wäre, hätte es auf dem deutschen Kaiserthron noch einen zweiten Wenzel gegeben. So blieb er als Kaiser unnummeriert. Als König von Böhmen war Wenzel allerdings die Nummer IV. (Wenzel, auf Tschechisch Vacláv, ist der böhmische Traditionsname schlechthin!). IMG_9502Einen Karl gab es aber vorher in Böhmen noch nicht, weshalb Kaiser Karl IV. als Böhmenkönig eigentlich Karl I. war (obwohl das in den Touristenführern immer unterschlagen wird). Die I. als Nummer bekam er, weil es im Gegensatz zu „Wenzel“ im Deutschen Kaiserreich, später in Böhmen noch einen zweiten Karl gab – den Habsburgerkaiser Karl VI., der von 1711 bis 1740 als böhmischer König den Namen Karl II. führte. Puh, da sieht man, welche Probleme Ämterhäufung mit sich bringt. Darüber Dinge sollte man intensiv nachdenken, wenn man den Altstädter Turm hinaufblickt.

Wie dem auch sei: Wenzel -/IV. sitzt deshalb rechts von Karl. IV./I. Zwischen beiden deutschen Kaisern/böhmischen Königen steht salbungsvoll der Heilige Veit, nach dem der von Karl erbaute Veitsdom auf der Burg benannt ist. Ebenfalls erkennbar sind zwei Wappen, wobei das mit dem Adler für das Reich und der Löwe für Böhmen stehen.

Wer genau hinguckt, wird übrigens feststellen, dass der Bildhauer nebenan stehenden Statue aus dem 19. Jahrhundert (siehe vorheriger Beitrag) sich beim Gesichtsausdruck Karls recht genau an die mittelalterliche Vorgabe oben auf dem Turm gehalten hat. (DD)

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