Wahrzeichen Teynkirche

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Gerade zur Weihnachtszeit, wenn auf dem Altstädter Ring der festliche Weihnachtsmarkt abends eine wohlige Stimmung ausstrahlt, entfaltet sie ihre Schönheit ganz besonders: Die Teynkirche oder genauer: Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn (Kostel Matky Boží před Týnem). Mit ihren beiden charakteristischen, von IMG_1162spitzbedachten Erkern geprägten Türmen (genannt „Adam“ und „Eva“) gehört sie sicher zu den bekanntesten Wahrzeichen Prags.

Hinter den Weiten des immer von Touristen überlaufenen Altstädter Rings beginnt der Teil der Altstadt, der noch vom typisch mittelalterlichen Gewirr kleiner und verschlungener Gassen zeugt. Die Kirche ist eng von Häusern umstellt und in ihrer Gänze kann man sie kaum photographieren. Aber gerade das macht wohl ihren optischen Reiz aus.

„Teynkirche“ heißt sie übrigens, weil sie direkt neben dem damaligen Handelshof, auch Týn oder Teyn genannt, steht. Dort wurden vor allem ausländische Händler untergebracht und auch gleich mit Zöllen belegt.

Schon für das Jahr 1135 ist an dieser Stelle ein romanischer Kirchenbau bezeugt, dessen letzte Reste allerdings Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden. Um 1360 sammelten reiche Patrizier viel Geld, um eine modernere gotische Kirche zu bauen, womit sie im Kern ihre heutige (gotische) Gestalt prägten. Der Bau ging allerdings mühselig voran. Die drei Schiffe wurden erst 1380 fertig, das Dach 1460, die Türme wurden nacheinander zwischen 1466 und 1511 erbaut. Das Dach ließ übrigens nur deshalb so lange warten, so besagt die Legende, weil Kaiser Sigismund 1437 die Holzbalken konfisziert hatte, um daraus die Galgen für die Hinrichtung der radikal-hussitischen Anhänger von Jan Roháč z Dubé (früherer Beitrag hier) zu bauen, die in Sichtweite der Kirche auf dem Ring stattfand. Warum es aber dann noch einmal 23 Jahre dauerte, bis die Balken wieder ersetzt waren, erklärt diese Legende allerdings nicht so recht zufriedenstellend.

Im 15. Jahrhundert war die Kirche eine Hochburg gemässigter Hussiten, Utraquisten genannt, die den einzigen Hussitenkönig Jiří z Poděbrad (Georg von Podiebrad) unterstützten (siehe früheren Beitrag hier). Nach der grausamen Niederlage der Protestanten bei der Schlacht am Weißen Berg 1620 (hier) wurden alle Erinnerungen daran getilgt. Die Hussitensymbole (insbesondere der außen angebrachte Kelch) wurden entfernt, die davor IMG_9568stehende Statue des einst so populären Königs Jiří eingeschmolzen.

Aus Schlechtem mag manchmal Gutes erwachsen, denn unter den neuen Herren zog innen in der Kirche ein prachtvoller Barock ein – typisch für die Zeit der Gegenreformation. Wie das Bild rechts zeigt, ist die (nicht seltene) Kombination gotischer Architektur und barockem Interieur wohl gelungen. Leider kann man sich die Inneneinrichtung nur während der Gottesdienste diskret näher anschauen. Ansonsten kann der Besucher nur den Eingangsbereich betreten, um von dort aus den Blick in die Ferne des Schiffs schweifen zu lassen. Angesichts der Wucht der Touristenmassen, die sonst hereinstürmen würden, ist das verständlich, aber irgendwie auch wiederum schade. (DD)

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