Zum Nationalfeiertag: Das Masaryk-Denkmal

IMG_7606Heute vor 99 Jahren wurde aus den Trümmern des zerschlagenen Habsburgerreichs die (Erste) Tschechoslowakische Republik gegründet. Unter allen neuen Demokratien, die nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieg entstanden waren, war sie die einzige, die sich auch als Demokratie behaupten konnte und nicht in die Diktatur abglitt, wie etwa IMG_7604Ungarn 1919, Polen 1926 oder – am schlimmsten – Deutschland 1933. Erst die äußere Gewalt der Nazibesetzung setzte ihr ein Ende.

Diesen demokratischen „Reifegrad“ verdankte die Tschechoslowakische Republik zu einem nicht geringen Anteil einer großen Gründerpersönlichkeit: Tomáš Garrigue Masaryk (1850-1937). Als Masaryk 1918 der erste Präsident des Landes wurde, hatte er sich bereits einen IMG_7607respektablen Ruf als einer der bedeutenden Philosophieprofessoren seiner Zeit erworben. Sein politisches Engagement war immer von Liberalität und Umsichtigkeit geprägt. Schon von 1900 bis 1914 hatte er für die Realistische Partei im österreichischen Reichsrat gesessen. Sein tschechischer Nationalismus erwies sich dabei als stark von liberalen und aufklärerischen Motiven durchsetzt. Er profilierte sich zugleich als geistiger Anführer der Tschechen und als  versöhnlicher und kosmopolitischer Staatsmann. Im Weltkrieg ging er zunächst nach Frankreich, dann in die USA ins Exil (seine Frau war Amerikanerin). Dort sicherte er die mit dem Vertrag von Pittsburgh die Gründung der Tschechoslowakei mit großem Geschick diplomatisch bei den Alliierten ab. Bis heute ist IMG_7605Masaryk immer noch die große historische Landesvaterfigur Tschechiens – einer, der das Land mit Toleranz und Klugheit zusammenhielt.

Viele Denkmäler und Orte (siehe u.a. hier) erinnern heute in Prag an ihn. Das größte Denkmal steht jedoch vor dem Haupteingang der Burg, wo sich auch der Sitz des Präsidenten befindet. Masaryk hatte diesen Teil des Burgareals in den 1920er Jahren von seinem Lieblingsarchitekten Josip Plečnik modernisieren lassen. Das Denkmal wurde dort im Jahr 2000 aufgestellt, um des 150. Geburtstags Masaryks zu gedenken. Es ist einer heute im Nationalmuseum befindlichen Statue des Bildhauers Otakar Španiel aus dem Jahr 1931 nachempfunden. Bei der feierlichen Einweihung des Denkmals waren Präsident Václav Havel und die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright (die selbst gebürtige Tschechin ist) zugegen.

Einen schönen Ort hat man für Masaryk ausgesucht – nicht nur, weil er von hier stets mahnend seine alte Wirkungsstätte beobachten kann, um (hoffentlich) sicherzustellen, dass seine Nachfolger auch mit der Klugheit amtieren, die er stets bewiesen hatte.  Sollte das nicht gelingen (über den gegenwärtigen Präsidenten schweigen wir hier), kann er immerhin ein wenig nach rechts blicken und eine wunderbare Aussicht auf die gesamte Altstadt der Stadt Prag genießen. (DD)

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