Des Symbolisten Refugium

IMG_2374Als Maler, Architekt, aber vor allem als Bildhauer gehörte František Bílek (1872-1941) zu den großen Künstlern des tschechischen Symbolismus. Er ging so sehr in dem Mystizismus und der Metaphernsprache dieser Kunstströmung auf, dass er auch sein persönliches Umfeld danach ausrichtete. Die Rede ist von der Bílek-Villa, die man auf dem Weg von der Kleinseite zur Burg hinter düster wirkenden Bäumen versteckt findet.

Das passt, denn Bílek hat diese Villa in den Jahren 1910/11 selbst entworfen und erbauen lassen. Die architektonische Gestaltung soll die tiefe Verbundenheit seiner Kunst mit der IMG_2380allgegenwärtigen Natur und der höheren Schöpfung ausdrücken. Die grauen Säulen erinnern an Getreideähren, während der leicht angerundete Bau selbst durch seine Ziegelbauweise (und eben die für Düsternis sorgenden hohen Bäume drumherum) für eine geradezu unwirkliche Atmosphäre sorgen. Instinktiv fühlt man sich an das Gemälde Die Toteninsel seines Schweizer Mit-Symbolisten Arnold Böcklin erinnert, wenn man IMG_2379sich dem Gebäude von vorne nähert.

Heute ist dort ein kleines Museum, das Bílek gewidmet ist. Man erreicht es über die Hintertür. Drinnen fällt einem sofort die Zweiteilung des Hause auf. Geht man nach rechts, kommt man zum Atelier, dessen Räume (obwohl das Ganze von außen zweistöckig wirkt) die ganze Gebäudehöhe umfassen, was angesicht der bisweilen gigantomanen Ausmaße einiger seiner Skulturen wohl auch notwendig war. Die Räume passen sich dem Kunststil an, sind voller abwechslungsreicher und mysteriös-verstörender Perspektiven (die auch der Krümmung des Gebäudes geschuldet sind) und mit wenig Licht von oben erfüllt. Leider ist das IMG_2381Photographieren im Haus selbst nicht erlaubt. Aber die kolossale Statuengruppe, die man draußen zentral vor dem Gebäude sieht (siehe Bild links), gibt immerhin einen gewissen Eindruck vom Schaffen des großen Bildhauers wieder, das man drinnen besichtigen kann.

Geht man allerdings vom Eingang nach links, kommt man in die Privatgemächer Bíleks und seiner Familie. Hier ist die außen als zweistöckig wahrnehmbare Gebäudestruktur tatsächlich zweiteilig (was durch den Balkon noch unterstrichen wird, der dem Ganzen die zu wenig „symbolistische“ Symmetrie nimmt). Alles ist auf das menschliche Maß gebracht. Obwohl immer noch dem symbolistischen Stilempfinden entsprechend, ist die Gestaltung der Privaträume geradezu gemütlich anheimelnd und keineswegs so düster, wie man es sonst bei Bílek vermuten würde. Irgendwie vermutet man hier dann doch hinter dem genialen Künstler auch einen privaten Menschen, der auch ab und an sein privates Refugium braucht. (DD)

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