Eine Burg, die viel zu bieten hat

IMG_7789Mitten in den unendlichen Weiten der mittelböhmischen Wälder und nur rund 30 Kilometer vom Prager Stadtzentrum entfernt, erhebt sich eine imposante mittelalterliche Festungsanlage: Burg Křivoklát (dt.: Pürglitz)! Schon von der Ferne sieht man dem kolossalen Bauwerk an, dass hier große Geschichte geschrieben wurde. Und eine weit IMG_7739zurückreichende! Seit dem 12. Jahrhundert steht sie immerhin schon hier. Ihre Blüte begann aber im 13. Jahrhundert als die böhmischen Könige Přemysl Ottokar II. und Wenzel II. im romanischen Stil die Burg zum stattlichen Königspalast ausbauten. Böhmens größter Monarch des Mittelalters (und Deutschlands Kaiser) Karl IV. verband die Burg eher mit einer persönlichen Leidensgeschichte. Weil sein Vater, König Johann der Blinde, und seine Mutter, Elisabeth von Böhmen, sich überworfen hatten, hielt der Vater deshalb den Sohn mit Gewalt von der Mutter fern. In den Jahren 1319 bis 1323 war Karl quasi auf der Burg gefangen.

Karls Sohn Wenzel IV. veranlasste noch einmal große Um- und Ausbauarbeiten, die dazu führten, dass seither der gotische Stil die gesamte Anlage dominiert.

IMG_7748Im Spätmittalter und der frühen Neuzeit diente der Bau – wie in der Jugendzeit Karls IV. – als eine Art staatliches Gefängnis für hochrangige Missetäter, was der Reputation der Burg eine zeitlang Abbruch tat. Heute scheinen gerade die finsteren Verließe und die Folterkammer Touristen, die sich nach ein wenig wohliger Gruseligkeit sehnen, anzuziehen.

Im jahre 1743 wurde Burg  Křivoklát von der Adelsfamilie Fürstenberg erworben, die das Ganze wieder zu einer friedlichen Residenz ausbaute. Im 19. Jahrhundert gestalteten die Fürstenberger mit einem ordentlichen Schuss Neogotik die Burge so um, dass sie noch gotischer als gotisch daherkommt. 1881 wurde auch noch eine große Bibliothek eingerichtet. In den Zeiten der Ersten Republik wurde der Erhalt wohl zu teuer, weshalb man die Burg 1929 an den Staat verkaufte, in dessen Besitz sie bis heute ist.

IMG_7752Wer die Burg besucht, kann mehrere kleine oder eine große und umfassende Führung buchen. Letztere (ca. 1 1/2 Stunden) wird empfohlen, damit man wirklich sehen kann, was die Burg bietet. Alleine die Burgkapelle mit ihrem großen Schnitzaltar aus dem Jahr 1490  (Ausschnitt Bild links) ist ein Juwel. In der Kapelle kann man die böhmische – wenn nicht gar die europäische! –  Gotik auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung studieren. Die Heiligenfiguren und die Schnitzereien suchen ihresgleichen. Man hat in der Sammlung anscheinend so viele gotische Sakralkunstwerke, IMG_7758dass man noch einen ganzen Museumsraum neben der Kapelle damit füllen konnte (Beispiel rechts).

Von der Kapelle gelangt man zum großen Rittersaal, der IMG_7762ganze 28 Meter lang und 8 Meter breit ist. Auch hier Gotik vom Feinsten (s. links)!

In diesem Abschnitt der Führung befindet man sich übrigens schon so weit hoch oben, dass sich der Blick aus dem Fenster auf die Burganlage und auf die umgebende Landschaft lohnt. Der weitere Weg – auf der Festungsmauer und im Turm (der eine Jagdsammlung beherbergt) – steigert das Ganze dann allerdings noch einmal.

Ein besonderes Schmuckstück ist dann auch noch die oben erwähnte Bibliothek, die sich ursprünglich in einem der Fürstenbergschen Paläste in Prag befand. Ich würde gerne IMG_7767mal für eine Nacht hier aus Versehen eingeschlossen sein, um in einigen der zum Teil sehr alten und wertvollen Bücher zu schmökern.

Nun ja, man kann nicht alles aufzählen, was man auf Burg Křivoklát so alles sehen kann: Die Münzwerkstatt, die krivolatKerker, die Schlitten und die Ritterrüstungen und Schwerter, die alten Familienportraits oder einfach nur die gewaltige Architektur – insbesondere der Vorburg.

Da die Burg von sehr vielen (fast nur tschechischen) Ausflüglern besucht wird, ist auch die touristische Infrastruktur und die Qualität der Informationen bestens.  Zählt man noch die (gut ausgezeichneten) Wandermöglichkeiten in der Umgebung dazu, ist Křivoklát auf jeden Fall einen Tagesausflug von Prag aus wert! (DD)

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