Botanischer Garten: Gut Ding will Weile haben

Botanik-Titel

Der kleine alte Botanische Garten in Prags Neustadt (wir berichteten hier) reichte schon seit längeren nicht mehr aus, um die Reichhaltigkeit der Pflanzenwelt dieses Planeten auch nur annähernd abzubilden. Deshalb diskutierte man schon in kommunistischen Zeiten seit den 1950er Jahren über die Errichtung eines Botanik2neuen Gartens, der so groß werden sollte, dass sich in ihm auch die Überlegenheit des realexistierenden Sozialismus widerspiegeln würde. Das klappte natürlich nur so gut, wie es immer im Sozialismus klappt, nämlich gar nicht. Zwar hatte der Stadtrat im Jahre 1968 endlich beschlossen, dass der neue Botanische Garten in Troja – auf einer aussichtsreichen Hanglage gleich neben Zoo und Schloss – sein Domizil finden solle, aber so richtig fertig wurde das Projekt dann doch nicht. Die ursprünglich geplante Größenordnung (natürlich der größte Botanische Garten der Welt) wurde bald aufgegeben. Auch sonst verlief der Aufbau schleppend. 1979 konnte man immerhin verkünden, dass schon 1889 verschiedene Pflanzenarten angebaut seien. Aber so weit, dass auch Besucher hereinkonnten, war es noch lange nicht. Dazu musste man bis zur  Samtenen Revolution von 1989 warten. Tatsächlich kannte bis zu diesem Zeitpunkt kaum ein Prager Bürger das Areal.

Botanik1Bis zum Jahr 1992 durften nur an wenigen „Tagen der offenen Tür“ Bürger den Garten (teilweise) besichtigen, dann erfolgte die Öffnung und es ging Schlag auf Schlag. 1995 begann man mit dem Bau von zum Teil architektonisch recht avantgardistischen Gewächshäusern (Beispiel links). Das modernste und größte Gewächshaus, genannt Fata Morgana, liegt direkt neben dem Garten und man muss gesondert Eintritt zahlen, um die dortige Tropenwelt zu beäugen. Der Weinberg wurde mit einbezogen und restauriert. Ziergärten, der japanische Garten (großes Bild oben) und vielerlei andere Dinge wurden angelegt. Jede Weltregion – ob karg sub-arktisch oder üppig tropisch – ist vertreten. Didaktisch wurde das Ganze mit schönen Infotafeln u.v.a. auf Vordermann gebracht. Botanik4Kleine Imbisscafés und interessante, bisweilen recht skurrile Kunstinstallationen (wie jene seltsamen eisernen Tiere rechts) machen seither den Besuch in dieser sehr großzügigen Gartenanlage zu einem besonderen Vergnügen. Es brauchte eine Weile und vor allem die Überwindung des Kommunismus, aber heute merkt man nichts mehr von der dereinst schweren Geburt des Botanischen Gartens. Er lädt heute zu jeder Jahreszeit (etwa im März und April, wenn die Magnolien blühen) zu einem schönen Ausflug ein, bei dem man viel über Botanik lernen kann, und bei dem man bei einem langen und erholsamen Spaziergang einen schönen Ausblick über den Garten selbst, aber auch über Troja, Zoo und die Moldau genießen kann. (DD)

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