Großes Haus, kleine Weinstube

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Manchmal geht man in Prag an einem Haus vorbei, schaut hoch und denkt: „Wow!“ Bei der oben gezeigten Fassade des Hauses in der Šubertova 4 in Vinohrady war das bei mir der Fall. Ende des 19. Jahrhunderts hat sich hier jemand in historisierendem Neobarock, angereichert mit damals modernen Jugenstilelementen so richtig voll ausgetobt. Selbst in diesem Teil von Vinohrady, wo historistische Architektur das Ortsbild beherrscht, fällt dieses Haus auf.

IMG_7610Schön ist es, wenn ein Gebäude mit einem so grandiosen Äußeren auch innen etwas zu bieten hat. Im Souterrain des Hauses befindet sich nämlich die kleine Weinstube U Vávrů. Auf deren Website erfährt man, dass das Gebäude dereinst von einem Architekten namens Martin Líbal (nähere Angaben zu ihm gab selbst das IMG_7612Internet nicht her) erbaut wurde und dem Gebäude einer älteren Weinstube in der Altstadt nachempfunden sei.

Das Haus steht direkt neben dem großen Theater in Vinohrady (dazu dieser frühere Beitrag hier), das man durch die Tür oder die Fenster sehen kann. Die Nähe zum Theater bringt nicht nur einen gewissen Kundenfluss an Leuten, die nach einer schönen Vorführung noch ein Gläschen trinken wollen, sondern hat der IMG_7614Weinstube auch ihren Namen gegeben. Benannt ist sie nämlich nach Karel Vávra (1884-1931), der in seiner Zeit zu den großen tschechischen Schauspielern gehörte und der im Theater von Vinohrady unzählige Auftritte hatte. In der Gaststube erinnert eine bronzene Büste an ihn. Ansonsten handelt es sich nicht um ein Schick-Micki-Restaurant, sondern eben um eine handfeste und authentische Weinstube, die einfach nur schlichte Gemütlichlichkeit bei einem Glas Wein ausstrahlen will und auch tut.

Wer über eine Weinstube schreibt, muss auch über Wein schreiben. Das U Vávrů bezieht seine große Auswahl an Weinen aus dem großen Weingut von Petr Bunža in IMG_7613Mähren. Vielseitig und solide ist das Angebot. Das Ganze ist daher auch ein geeigneter Ort, wenn man Gäste aus Deutschland (und anderswo) in die tschechische Weinbaukunst einführen will. Dazu gibt es noch eine dazu passende Speisekarte mit leichteren Varianten tschechischer Gerichte in akzeptabler Qualität. Wenn man die Rechnung bekommt, kann es sein, dass man in Ohnmacht fällt. Nicht, weil die Rechnung so hoch war, sondern weil sie so extrem niedrig war. Bedenkt man noch die gute Lage, kann man gar nicht glauben, was für ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis man im U Vávrů geboten bekommt. Es lohnt sich doch, ab und an nachzuschauen, ob sich in einem großen schönen Haus nicht doch auch noch gute kleine Dinge befinden. (DD)

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