Der Palast auf der Insel

IMG_7140Etwa oberhalb der Karlsbrücke und genau gegenüber dem am Ufer gelegenen Goethe Institut liegt eine kleine Insel mit einem großen Palast. Es ist die Slawische Insel (Slovanský ostrov), die ursprünglich (genauer: ab 1838) zu Ehren der Gemahlin des Großherzogs Franz Karl von Österreich, Sophie Friederike von Bayern (die Mutter Kaiser IMG_7147Franz-Josefs) „Sophieninsel“ hieß. Das war der Wunsch des damaligen Besitzers, eines geschäftlich erfolgreichen Müllers namens Václav Antonín Novotný. Er ließ auch schon das palastartige Gebäude (das später immer wieder hin zum großen Palast vergrößert wurde) bauen.

Im Juni 1848 fand in ebenjenem Palast unter dem Vorsitz von František Palacký der große Slawenkongress statt. Es ging um die Rechte der Tschechen und anderer slawischer Völker im Habsburgerreich  und es war zugleich der Auftakt der Revolution von 1848 für die Moldaustadt. Seither heißt die Insel auch nicht mehr „Sophieninsel“, sondern „Slaweninsel“. Der Prager scheint aber bei seinen revolutionären Umtrieben in der Regel maßvoll und ohne Fanatismus vorzugehen, und so gewährte man der Großherzogin noch die Ehre, dass der Palast auf der Insel heute weiterhin Sophienpalast bzw. auf Tschechisch Palác Žofín heißt.

In der Folge fanden hier bis zum Ende des Habsburgerreichs immer wieder nationale Zofin3Großveranstaltungen (oft als Bälle getarnt) statt, aber auch große Kulturereignisse. List, Wagner und und unzählige große Komponisten und Dirigenten traten hier auf. Smetanas große Nationalsymphonie Mein Vaterland (Ma vlást) mit dem berühmten Satz „Die Moldau“ wurde im großen Saal 1882 uraufgeführt.

Die Innengestaltung lädt zu sowohl Pomp und Hochkultur auch förmlich ein. Zofin2Die üppige Neorenaissance des Äußeren setzt sich im Inneren noch üppiger fort. Kolonnaden, riesige Kronleuchter und leicht kitschige Deckengmälde im historistischen Stil bieten dem Auge selbst dann viel Abwechslung, wenn die Veranstaltung, die man besucht, mal gerade nicht so aufregend ist.

Auch heute finden hier die ganz großen und renommierten gesellschaftlichen Ereignisse statt. Die Erinnerung an die Großherzogin erfüllt zum Beispiel die österreichischen Ex-Pats in der Stadt immer noch mit soviel Habsburger-Sentimentalität, dass in den Hallen des Palastes jährlich der große Ball der Österreicher stattfindet – eines der ganz großen Society-Ereignisse der Stadt. Zofin1Lädt die Regierung zu einer großen und prestigeträchtigen internationalen Konferenz ein, so wählt sie sich geradezu zwangsläufig den Palác Žofín als Austragungsort aus – so wie jeder, der was auf sich hält – das Bild (links) aus dem großen Saal wurde zum Beispiel während eines internationalen Sicherheitspolitischen Kongresses gemacht zu dem im Sommer Ministerpräsident Sobotka eingeladen hatte.

zofin4.jpgAber auch außerhalb großer Festivitäten kann man sich am Palác Žofín erfreuen. Auf der Rückseite im Erdgeschoss befindet sich ein feines Restaurant mit gepflegter internationaler Küche und guten (auch tschechischen) Weinen. Auch hier schwelgt der Gast drinnen in feinstem Pomp – vor allem wenn es um den schwülstigen National-Kitsch der Gemälde an der Wand geht. Im Sommer kann er sich auch im Gartenrestaurant draußen ein wenig frische Luft mit schöner Insellage gönnen.

IMG_7237Und man muss ja auch nicht ins Restaurant gehen, sondern man kann ein wenig auf der mit altem Baumbestand bewachsenen Insel rund um das Gebäude umherflanieren. Die Insel ist halt ein kleiner Park; da gibt es auch einen Kinderspielplatz und mehrere Mietmöglichkeiten für Tret- oder Ruderboote, mit denen man auf der träge dahinfließenden Moldau in See stechen kann – ein Vergnügen, das man sich an einem Sommertage bei Sonnenschein wirklich nicht entgehen lassen sollte. (DD)

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