Bier an Deck

IMG_7108

Es hat wohl vor einigen Jahren eine Kontroverse unter den Kommunalpolitikern der Prager Innenstadt gegeben, ob man das schöne Flussufer überhaupt für touristische und gastronomische Zwecke öffnen soll. Das ist nun inzwischen geschehen. Wer an einem schönen Sommertag die Uferpromenade entlang flaniert, findet an der Kaimauer etliche kleine Kneipen und Restaurants und – vor allem! – auf dem Wasser Schiffe mit Kneipen, Diskos, Konzertbühnen oder gar Hotels. Die Náplavka (dt.: Uferkai oder Uferdamm) gehört inzwischen zu den großen Amüsiermeilen der Stadt.

IMG_7112Der letzte Schrei sind wohl Kleinbrauereien auf dem Wasser. Das Boot, das man oben (mit Schwan im Vordergrund) sieht, trägt die Aufschricht „Pivo na palubě“, zu Deutsch: „Bier an Deck“. Hier handelt es sich um die Pivovarská loď Kapitán (Brauerei Schiffskapitän). Es ist zwischen der Jirásek-Brücke und der Palacký-Brücke angetäut. Von Mai bis Oktober legt der Kahn hier an, und zwar erst seit 2016. Das heißt aber nicht, dass man die traditionelle Braukunst nicht beherrscht. Denn das Bootsrestaurant ist ein Ableger der fest in der Erde verankerten Braugaststätte Pivovarská Restaurace Kapitán in der grenznahen Stadt IMG_7110Děčín, wo die Moldau schon seit über 50 Kilometern in die Elbe aufgegangen ist.

Würde hier aber nur Bier aus den blitzblanken Zapfhähnen (rechts) fließen, das aus dem fernen Děčín importiert wurde, stünde der Claim der schwimmenden Brauerei „an Deck“ auf schwachen Füßen. Keine Sorge: An Bord gibt es eine extra für Prag kreierte Biersorte unter dem passenden Label Náplavka. Zwei von IMG_7113ihnen, das Helle und das Special haben wir probiert (das Dunkle war leider gerade ausgegangen). Beide hatten einen stark hopfigen Geschmack, der wahrscheinlich der Mehrzahl der Pils-orientierten deutschen Biertrinker besonders munden dürfte – aber eben doch mit einer feineren tschechischen Note.

Schade, dass es in einem Plastikbecher serviert wurde. Das macht bei stark gehopften Bieren zwar nicht ganz so viel aus wie bei Weißbieren oder milden Schwarzbieren (der Besuch wird also trotzdem empfohlen!), macht aber auch nicht ganz glücklich. Aber die trinkfreudigen Touristen, die anscheinend später in der Nacht hier in Massen aufkreuzen, haben wohl hier für sehr viel Glasschwund oder -schaden gesorgt. Genau diese Art von Besuchern war es, die die gastronomische Öffnung der Náplavka auch seinerzeit so umstritten machte.

Nachmittags haben wir hingegen nur eine freundliche Stimmung erlebt, die fast an einen Strandurlaub erinnerte. Die Liegestühle, auf denen man sich ausruhen kann, verstärken die Atmosphäre. Zudem liefert die Küche deftige, aber vielseitige internationale Snacks und Speisen. Ab und zu spielen am Abend auch Bands auf. Kein Wunder, dass die Pivovarská loď Kapitán vor allem bei jungen Leuten sehr beliebt ist. (DD).

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s