Ladronka: Altes Gut als Sportzentrum

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Rund zwei Kilometer südöstlich des Burgbezirks erwarb 1688 der italienische Graf  Filip Ferdinand de la Crone ein Riesenstück Land, das zuvor Weinberge aus der Zeit Karls IV. beherbergte, um sich dort ein Landgut zu erbauen. Der Name de la Crone wurde dann über die Zeit in Ladronka verballhornt. So lautet eine Legende. Eine andere besagt, IMG_6882dass das italienische Wort „Ladron“ für „Dieb“ oder Räuber“ (abgeleitet aus dem lateinischen Wort latro) Pate gestanden habe, obwohl eigentlich dem Grafen anscheinend niemand ähnliches nachgesagt hat. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts fiel das Gut an einen Großprior des Malteserordens, dem Grafen Pötting von Persing. Das ganze gehörte schließlich den Maltesern bis 1922 als es die Stadt übernahm. In der Zwischenzeit war es ein wenig heruntergekommen. Schon im 18. Jahrhundert wurden ein Pestfriedhof und später Armenhäuser dort angelegt. IMG_6879Der Steinbruch (Kalkstein), den es schon seit dem Mittelalter gab, und der sich heute in der Parkanlage sehr schön ausmacht (kleines Bild rechts), wurde vor dem Ersten Weltkrieg nur noch für Militärübungen genutzt.

Der Kommunismus gab der einstigen Pracht dann den Rest. Das Gutshaus in der Mitte des Anwesens verfiel zunehmend – obwohl man es 1964 offiziell unter Denkmalschutz stellte. Nach der „Samtenen Revolution“ nahmen IMG_6880links-anarchistische Hausbesitzer das Haus als „Kulturzentrum“ unter ihre Kontrolle, die erst 2000 vertrieben wurden.

Zwischen 2004/2005 baute man das Haus samt Anlage als legales Kultur- und Freizeitzentrum aus. Besser gesagt als mehrfach preisgekröntes Freizeitsportzentrum. Hier gibt es rund um das schön in seiner schlichten Barockgestalt wiederhergestellte Gutshaus mit seinen wuchtigen Wirtschaftsgebäuden eine Fülle von interssanten IMG_6890Sportarealen. Dazu gehört ein mit feinem Sand aufgeschüttetes Beachvolleyballfeld. Die im kleinen Bild rechts wie eine englische Parkanlage aussehende Landschaft ist in Wirklichkeit eine Discgolfanlage. Den Sport kannten wir auch noch nicht, falls jetzt Fragen kommen. Das scheint wohl wie Golf zu sein, nur dass statt Ball und Schläger so eine Art Frisbeescheiben zum Einsatz kommen. Und dann ist da noch neben den schönen Radwegen eine riesige 4,2 Kilometer lange Rennbahn für Inline-Skater (kleines Bild unten links). Einmal im Jahr IMG_6883treffen sich die Freizeitsportbegeisterten zu einem Ladronkafest, wo sie frisch, fromm, fröhlich, frei ihre Kräfte messen.

Das Gutshaus hat sich diesem Zweck untergeordnet und ist jetzt ein Restaurant der gehobenen Imbissklasse, was genau dem Bedürfnnis des eiligen Sportlers entspricht. Außerdem gibt es einen Laden, der die notwendigen Sportutensilien (Skateboards, etc.) verkauft oder verleiht. An alles ist gedacht. Der alte Graf de la Crone würde, könnte er per Zeitmachine in die Jetztzeit reisen,  nicht mehr so recht verstehen, was aus seinem Gut geworden ist, aber dass die Leute hier viel, viel Spaß haben, würde ihm kaum verborgen bleiben. (DD)

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