Spitzenrestaurant in überbordendem Art déco

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Es gibt sicher noch andere Orte in Prag, in denen man sehr gut essen kann. Aber in keinem anderen dürfte man es auch noch in so prachtvoller Umgebung tun. Das Café Imperial (Adresse: Na poříčí 1072/15) hat seinen Weltruhm satt verdient.

IMG_6821Zunächst einmal zum Essen und Trinken: Die Speisekarte ist nicht sehr umfänglich, was in diesem Fall darauf hindeutet, dass hier Frische und zeitnahe Zubereitung vor Massenabfertigung gesetzt werden. Kein Wunder, denn der Chef der Küche ist einer der bekanntesten Fernsehköche Tschechiens, Zdenek Pohlreich. Es gibt neben internationaler Haute Cuisine auch moderne und leichte Varianten traditioneller tschechischer Gerichte.

Die Auswahl der Weine besticht, insbesondere was das Angebot tschechischer Weine angeht, die man in dieser Qualität nicht überall findet. IMG_6819Wem Wein nicht mundet, der ist mit dem hausgebrauten Dunkelbier ebenfalls nicht schlecht beraten

Aber selbst wenn die Kulinarik weniger gut ausfiele, der Besuch lohnte sich noch immer – und zwar alleine wegen der umwerfenden Innenausstattung des Restaurants. Das Gebäude wurde 1914 von dem Architekten Jaroslav Benedikt erbaut. Es ist aber weniger die Architektur selbst als das Interieur, das das Imperial so berühmt gemacht hat. Man kann hier von einem Restaurant als Gesamtkunstwerk sprechen. Dies verdankt man den Keramikfließen und Skulpturen der Künstler Jan Beneš und Josef Drahoňovský. IMG_6826Beide schufen ein opulentes und in sich kohärentes Meisterwerk überbordenden Art Decos mit vielen antikisierenden Elementen. Der Eingangsbereich des dazu gehörenden Hotels ist ganz im Stile des löwen-bestückten babylonischen Ischtar-Tors (heute Pergamonmuseum, Berlin) gehalten. Aber das geübte Auge wird in den verschiedenen Räumen noch viel mehr mehr oder weniger versteckte Anspielungen an antike Kunst finden.

Zur Geschichte: Das Imperial, das in der Zwischenkriegszeit IMG_6823seine Blüte erlebte (Tomáš Garrigue Masaryk, Franz Kafka und Leoš Janáček  waren Stammgäste), wurde nach der kommunistischen Machtergreifung 1948 verstaatlicht. Das Hotel wurde vom gleichgeschalteten tschechoslowakischen Gewerkschaftsverband in Beschlag genommen und blieb für normale Gäste geschlossen. Das zeigte zwar wieder einmal, dass – ganz im Orwellschen Sinne –  im Kommunismus alle Menschen gleich, IMG_6828einige jedoch erheblich gleicher waren, hatte aber einen Vorteil: Der schöne Bau wurde nicht zerstört, weil er den Herrschenden nutzte. So überlebte er auch die dunkelsten Zeiten des Landes einigermaßen intakt. Immerhin …

Die Samtene Revolution beendete gottlob den kommunistischen Spuk 1989 und seitdem ist das Imperial wieder ein öffentlich zugängliches Restaurant und Hotel. Zwischen 2005 und 2007 wurde es noch einmal gründlich renoviert und erstrahlt seither in vollem Glanze! (DD)

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