Familien-Happening beim Armeemuseum

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Nachtrag: Ab 2017 ist das Museum wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Die Wiedereröffnung soll 2020 erfolgen.

Vor etwas über einer Woche, genauer: am 10. Juni, war hier in Prag die Nacht der Museen. Alle Museen der Stadt konnte man bis 1 Uhr morgens besuchen, und zwar ohne Eintrittszahlung, dafür aber mit vielen interessanten IMG_6312Show- und Bildungsveranstaltungen. Für mich war es die Gelegenheit, endlich einmal das Armeemuseum (Armádní muzeum) in Žižkov näher zu betrachten. Das war schon zu Beginn um 19 Uhr viel los.

Die tschechische Armee hat den Tag genutzt, für sich vor Ort Werbung zu machen. In Deutschland gäbe es da fürchterliches Geschrei, aber hier dürfen Kinder mit echten Maschinenpistolen (ungeladen) Zielübungen machen, mit Luftgewehren (geladen) Wettschießen mitmachen, auf Panzer klettern, allerlei Utensilien (z.B. aufgerollte Fallschirme) anschauen, IMG_6327Werbebroschüren und Spielsachen abholen und …. – naja, die Kids haben Spaß daran! Zudem haben (großes Bild) anscheinend einige Hobbymilitärvereine alte amerikanische Panzer und Jeeps aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (wofür die Tschechen ein Faible haben, wohl weil sie 1945 lieber von der US-Army als von der Roten Armee befreit worden wären) renoviert und angekarrt. Auf denen dürfen die Kinder sogar ein wenig mitfahren. Entsprechend ist die Museumsnacht hier ein ganz besonderes Familienhappening!

IMG_6318Und das Museum selbst? Der Bau stammt aus den späten 20er Jahren. Unterstützt wurde er von ehemaligen Legionären (siehe diesen früheren Beitrag), die im Ersten Weltkrieg mit den Allierten gegen Habsburg und für die Unabhängigkeit kämpften. Ihre Sachspenden vom Orden über Uniform zur Pistole legten den Grundstock zu Sammlung. Das Bild rechts zeigt v.l.n.r. tschechische Legionäre in französischen, italienischen und russischen Uniformen. Ich finde besonders die italienischen Trenker-Hütchen putzig.

IMG_6315Die Sammlung widmet sich heute der Zeit des Ersten Weltkrieg, der Gründung der Armee der Tschechoslowakischen Republik, der Zeit des Kampfes gegen die Nazibesetzer und den Anfängen des Widerstands gegen den Kommunismus.

Besonders gut didaktisch aufgemacht ist der Teil zum Ersten Weltkrieg. IMG_6314Er wird aus der Perspektive einzelner ausgesuchter tschechischer Soldaten dargestellt. Tschechen standen ja vor der Wahl, ob sie weiterhin ihrem Kaiser treu dienen sollten, oder ob sie einer der Legionen anschließen sollten, die die gegnerischen Alliierten mit dem Versprechen der Unabhängigkeit für sie aufgestellt hatten. Es ist schön, dass die Entscheidungen und die Opferbereitschaft hier fair und balanciert bewertet werden.

Viele der Stücke, die dieses Museum zeigt (etwa dieses Militärmotorrad aus dem Jahre 1926) verdienen es, dass man sie sich vielleicht einmal anschaut, wenn weniger Rummel ist als am Museumstag. Die Gelegenheit wird sich sicher ergeben. (DD)

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