Urlaubstagebuch: Vor und auf dem Riesengebirge

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Ja, wir müssen es zugeben: Viele Einträge der letzten Zeit in Ahojausprag erschienen nicht in Echtzeit. Wir waren nämlich fast den ganzen Mai auf Urlaub und hatten ordentlich vorgearbeitet, so dass der Blog auch regelmäßig mit neuen Beiträgen aus Prag bestückt wurde.

Um Tschechien auch außerhalb Prags ein wenig kennenzulernen, haben wir uns vom 4. Bis zum 26. Mai im Vorland des Riesengebirges (Krkonoše) in einer Ferienwohnung einquartiert und sind losgewandert. Hier das kleine Urlaubstagebuch:

   4. Mai: Hostinné

Ankunft nach gar nicht langer Fahrt am frühen Nachmittag: Die kleine Stadt Hostinné  (früher Arnau) ist die ideale Basisstation für Ausflüge aller Art ins Riesengebirge. Schon der Blick aus IMG_5363dem Fenster der von uns für die nächste Zeit angemieteten Ferienwohnung (links) ist entzückend für das Herz. Die Innenstadt ist geprägt von einem in der Renaissance angelegten Platz, der das sonst leicht überinflationiert verwendete Wort beeindruckend voll verdient hat. Das Häuserensemble, das den quadratischen Platz umschließt, ist noch von jedem schädlichen Modernismus verschont und tadellos in Schuss.

Der Platz wird dabei von einer schlüssig gestalteten Arkade umgeben, die dafür sorgt, dass man vor Hitze und Kälte und auch vor Regen gleichermaßen geschützt ist, wenn man die Geschäfte dort erreichen will. Das ist angesichts des unstetigen Wetters in und um das Riesengebirge ein großer Vorteil. Deshalb haben auch andere Städte der Region – etwa Trutnov – diese Idee übernommen. Aber nirgends sieht das Ergebnis so schön aus einem Guss aus wie hier.

Das Highlight ist das Rathaus mit seinem Uhrenturm, an dem zwei Riesenfiguren (einer mit schlesischem und einer mit böhmischen Wappen) Wache halten. Sollen sie den Roland darstellen? Die Stadt hatte sich ja im Mittelalter der Hanse angeschlossen. Aber IMG_5487Roland ist nur einer und nicht zwei… Oder zwei mythische Riesen à la Rübezahl? Oder die Kombination aus beidem? Die Antwort lässt sich hier nicht leicht herausfinden.

Das Häuserensemble umkreist zudem auch eine Pestsäule aus dem Jahr 1678. Vor der Pest hatte man in den Zeiten des Barocks so viel Angst, dass man mit solchen von Heiligen umgebenen Mariensäulen versuchte, sich davor zu schützen. Ob es half, sei dahingestellt. Immerhin erhöht der Anblick die Schönheit des Platzes noch einmal.

IMG_5364Und was gibt es sonst noch zu sehen? Das kann man sich erwandern. Rund um die Stadt gibt es gut ausgezeichnete Wanderwege, die einem die schöne Landschaft vor Augen führen, in die die Stadt eingebettet ist.

IMG_5373Und dann ist da natürlich die 1280 erbaute gotische Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvětějši Trojice) am Rande der Innenstadt sollte man sich ansehen. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach umgestaltet (vor allem in der Barockzeit), aber 1877 wieder geschmackvoll regotisiert.

Sie ist von einer Mauer umgeben, die einen kleinen Kirchhof mit schönen Grabsteinen umschließt.

Von den weiteren Sehenwürdigkeiten, die Hostinné zu bieten hat, sei später die Rede.

   5. Mai: Auf den Žalý

Zur Einstimmung ging es mit dem Auto nach Benecko, einem Ort für Skitourismus, der zu dieser Jahreszeit daher nicht überlaufen, aber nicht minder schön ist. Von dort hat man schon eine erste Übersicht über die wunderschöne Landschaft des Riesengebirges.

Die wird natürlich besser, je höher man von Benecko aus hochsteigt. Oben über dem Ort auf 1019 Meter Höhe ist es dann am besten. IMG_5402Um das Ganze zu toppen, hat man 1892 auf dem Gipfel des Přední Žalý auch noch einen Aussichtsturm gebaut. Von dem aus hat man (wenn das Wetter mitspielt) eine fast unendlich anmutende Aussicht. IMG_5397Wenn einen das kombinierte Berg- und Turmsteigen richtig hungrig gemacht hat, kann man sich in der gleich neben dem Turm befindlichen Hütte bewirten lassen. Im Mai war sie aber noch nicht geöffnet.

IMG_5408Über den Bergkamm kann man dann auf bequem angelegten Wegen und unter Genuss weiterer schöner Aussichten eine ca. 10 Kilometer lange Route wieder im Dorf beenden.

Auf dem Wege erfreute sich Lady Edith über die kleinen winzigen verbliebenen Schneeflecken in einigen sehr schattigen Ecken. Ja, die kalte Jahreszeit ist vorüber, dachten wir. Das war eine Täuschung, wie wir …

   6. Mai: Zur Elbequelle

… schon am nächsten Tag erfahren mussten, als es höher hinauf ging. Den nächsten Tag nahmen wir den Bus vom Wintersportdorf Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) hoch zum Berghotel Spindlers Baude (Špindlerova bouda) auf 1208 Meter Höhe. Von da aus ging es hoch und höher den Bergkamm an der tschechisch-polnischen Grenze entlag. Immer IMG_5428mehr glitschiger Schnee auf festgetretenem Eis über die felsigen Wege machten das Fortkommen schwierig. Vorbei an der Petersbaude (Petrova bouda), die wegen eines Brandes gerade neu aufgebaut wird, ging es rauf über die Mädchensteine, auf Tschechisch Dívčí kameny genannt (Bild links) auf 1414 Meter Höhe zum immerhin schon 1509 Meter hoch gelegenen Gipfel des Hohen Rads (Vysoké Kolo) – dem vierthöchsten Berg des Riesengebirges. Gerade konnte man noch die berühmten Schneegruben (rechts unterhalb) IMG_5453sehen, da kam zu dem schweren Untergrund auch noch dichter Nebel hinzu.

Nachdem auf diese Weise viel schöne Aussicht verpasst wurde und man Risiko lief, vom Weg abzukommen, lichtete sich der Nebel immerhin und dankenswerterweise kurz vor der Quelle der Elbe. Da gab es aber auch ohne Nebel nicht so recht viel zu sehen, weil die Quelle unter einer dicken Schneedecke lag, wie das Bild zeigt (wer einen Eindruck haben will, wie das ohne Schnee aussieht, klicke hier).

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Elbequelle unterm Schnee …

Aber der Schnee im Mai hat auch seine schönen Seiten! Das sieht man, wenn man nach einer wohltuenden Einkehr in die Elbebaude (Labská bouda) das sich nun auftuende schroff und steil abfallende Elbtal betritt. IMG_5478Die Massen des Schmelzwassers strömen von allen Seiten in Kaskaden herunter und „füttern“ die Elbe schnell zu einem tosenden und reißenden Fluss an. So beeindruckend kann man die Geburt des großen europäischen Stroms dank der Schneeschmelze nur in dieser Jahreszeit erleben! Nach dem schwierigen, aber geradezu berauschenden Erlebnis des Abstiegs über wiederum rutschige Felstreppen und Pfade kamen wir Stunden später wieder in Spindlermühle (718 Meter Höhe). 19 Kilometer waren damit hinter uns gebracht.

   7. Mai: Mummel

IMG_5493Von Harrachov aus lässt sich schön wandern. Vor allem das Tal der Mumlava erfreut sich zurecht großer Beliebtheit. Früher hieß der Fluss „Mummel“. Nur wenige Minuten von Parkplatz erreicht man den Mummelfall, der sich recht imposant ausnimmt.

Direkt über dem Wasserfall befindet sich zur fröhlichen Einkehr die urgemütliche Mummel-Baude. Klingt schon lustig in Deutsch, das mit der Mummelei… Wir haben aber den freundlichen Wirt IMG_5495nicht gefragt, ob er Mummelmann heißt. Jedenfalls ist der Gastbetrieb dort klein, aber fein!

Die weitere Wanderung führte uns flussaufwärts immer höher. Immer schneebedeckter wurden die Wege und der Nebel immer dichter. So dicht, dass es schon fast unheimlich wurde und man verstand, warum die Rübezahlsagen von unheimlichen Riesen hier ihren Ursprung haben. Die im Wanderführer versprochenen schönen Aussichten fielen zumindest teilweise ins Wasser. Aber ein großes Erlebnis war die Wanderung schon.

   8. Mai: Bunker im Walde – Žacléř

Ganz im Südosten des Riesengebirges, im Rehorngebirge (Rýchory), liegt  das Städtchen Žacléř (früher: Schatzlar), das sich als Startpunkt sehr schöner und erholsamer Wanderungen empfiehlt.Das Klima ist hier weniger rau als im Kern desIMG_5521 Riesengebirges. Die ersten Blüten sprießten und viel frischer Waldmeister (ergab hinterher eine schöne Maibowle) wuchs am Wegesrande und erfüllte die Luft mit seinem Duft.

Vorbei an hübschen Wegkreuzen (rechts das Bílý kříž – d.h. weiße Kreuz) geht es hoch zur schönen Rýchorská Baude, wo man gemütlich zu einem Bier und IMG_5548herzhaftem Mahl einkehren oder die Aussicht auf das Gebirge genießen kann.

Unser Wanderführer empfahl uns zum Rückweg ins Tal nach Žacléř den Weg durch den urwaldähnlichen und sturmzerzausten Dvorski Les (früher Hoflbusch), der durch seine merkwürdig verkrümmten Bäumte und düstere Stimmung besticht. Der ist auch beeindruckend. Er wird es aber umso mehr wegen etwas, das zumindest in in IMG_5535unserem Wanderführer nicht erwähnt wurde: Die Bunker, die den Weg säumen und – man ist versucht zu sagen: passend! – an die düstere Vergangenheit erinnern.

In der Nähe verläuft heute die tschechisch-polnische Grenze, die in der Zwischenkriegszeit noch die tschechoslowakisch-deutsche Grenze war. In den 30er Jahren wurde die Lage durch Hitlers Politik immer bedrohlicher. 1935 startete die Republik daher ein Grenzbefestigungsprogramm im großen Umfang. Teilweise überwuchert sieht man gerade hier kleine standardisierte (daher baugleiche) Artilleriebunker (kleines Bild links), die jeweils in Sichtweite aneinandergereiht sind. In der Regel kann man sie einfach betreten und in der Dunkelheit drinnen sinnieren, die unbequem und deprimierend der Wachdienst für die 3-4 darin stationierten Soldaten gewesen sein muss.

IMG_5549Weiter unten im Tal findet man im Wald versteckt einen größeren Kommandobunker (rechts), der wesentlich geräumiger ist und sogar über ein Untergeschoss verfügt, in das man ebenfalls über eine Treppe (unten) hinsteigen kann. Nur die IMG_5555Schuhe werden ein wenig nass, weil ständig das Grundwasser ins untere Geschoss einsickert. Und man braucht natürlich eine Taschenlampe in der Finsternis des Bunkers.

Erst danach erfuhren wir, dass es in der Nähe sogar ein Bunkermuseum bzw. einem Museumsbunker gibt. Über den Besuch einige Tage danach wird erst in einem späteren Beitrag (s.u. 19. Mai) berichtet.

Genutzt haben die Bunker den Tschechoslowaken nichts, denn das Areal, auf dem sie sich befinden, wurde als Teil des „Sudetenlandes“ durch das schändiche Münchener Abkommen von 1938 mit Billigung der Westmächte England und Frankreich kampflos an Nazi-Deutschland übergeben.

Gut, dass dieses scheußliche Kapitel der Geschichte abgeschlossen ist. So tragen die Bunker heute dazu bei eine Wanderung spannender und lehrreicher zu machen – und zum Frieden zu gemahnen.

   9. Mai:  Adršpach

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Adršpach, früher Adersbach, – was soll man dazu sagen? Die Felsenstadt ist vielleicht DIE Touristenattraktion Tschechiens außerhalb Prags. „Ein bedeutender Gebirgs- und Landritt über Adersbach … bereicherte mit Erfahrung und Begriffen.“ Schon Goethe ließ es sich 1790 nicht nehmen, die sensationelle Steinlandschaft zu besuchen. Heute folgen ihm hunderttausende Touristen, die teilweise in Busladungen hergekarrt werden. Irgendwie stimmt es in diesem Fall: Millionen Menschen können sich nicht irren! Wer hier nicht war, hat im Leben wirklich etwas verpasst.

Auf den Tourismus hat man sich in dem Nationalpark bedarfsgerecht eingestellt und es trotzdem geschafft, der Natur noch ihr recht zu gewähren. Es wurden mehrere Wanderrouten angelegt, von denen auch nicht abgewichen werden kann und darf. Das dient dem Naturschutz. Die Wege sind aber so qualitativ gestaffelt, dass dies den potentiell negativen Effekt des Massentourismus eindämmt (ohne ihn zu vergraulen), aber auch dem verantwortlicheren echten Wanderer, der etwas mehr Ruhe für den Naturgenuss braucht, Raum gibt.

IMG_5578Um den Eingangsbereich in Adršpach, der gleich mit einem schönen See beginnt, ist die Felsenstadt mit einigen der spektakulärsten und bekanntesten Felsformationen mit Wegen ausgestattet, die selbst für Kinderwagen und Rollstühle geeignet sind. Hier tummeln sich die Massen!

Zu den bekannten Formationen in diesem Bereich gehört zum Beispiel jene enge Felspassage, die im 19. Jahrhundert mit dem „Gotischen Tor“ versehen wurde (großes Bild oben). Überhaupt kann Adršpach auf eine lange Geschichte als für Besucher gut erschlossener Park zurückblicken. Im 19. Jahrhundert wurden viele der Wege gelegt und der zentral gelegene Gebirgssee für Kahnfahrten erschlossen. 1993 erklärte die Erste Republik das ganze Gebiet schließlich zum nationalen Naturdenkmal.

IMG_5616Irgendwann kommt man an die Stelle, wo man eine hohe Leiter hochsteigen muss, um zu dem kleinen Gebirgssee (rechts) zu kommen, wo man an einer Kahnfahrt teilnehmen kann, was besonders bei Kindern beliebt ist. Von da an werden die Wege anspruchsvoller. Besseres Schuhwerk – keine Flipflops mehr! – ist empfohlen. Die Menge der Touristen ebbt etwas ab. Die Qualität des dort Gebotenen nimmt aber eher zu.

IMG_5675Nähert man sich dem Ortsgebiet von Teplice (früher Weckelsbach), mit dem sich Adršpach das Felsenareal teilt, kann man von weniger ausgetreten Höhenwegen die spektakulärsten Aussichten genießen.

Alles das, kann man kaum mit Worten beschreiben – man muss es gesehen haben.

IMG_5704Nur so viel sei erwähnt: Manche Felsen sehen aus, als ob sie von Menschenhand geschaffene Skulpturen seien. Sieht dieser Felsen (der folglich auch so genannt wird) nicht aus wie ein Elefant?

Ein anderes Beispiel: Auch Karl IV., der als Vater des Vaterlandes immer noch verehrte mittelalterliche IMG_5698Herrscher Böhmens thront hoch über den Felsen. So wird er wohl ausgesehen haben, oder?

À propos: Karl hatte mitten im Felsenmeer auch einmal eine kleine Burg erbauen lassen. Von der sieht man heute nichts mehr, aber die Stelle, auf der sie stand, kann man als Aussichtsplattform nutzen. Dazu muss man allerdings satte 300 Leiterstufen hinaufsteigen – was wir am Ende einer durchaus erschöpfenden Wanderung durch diese wunderbare Felsenstadt dann doch nicht mehr taten.

Das ist ist ein guter Anlass, sich vorzunehmen, Adršpach möglichst bald noch einmal zu besuchen. Es gibt noch viel zu sehen! (DD)

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   10. Mai: Weihnachtsschmuck und Waldskulpturen

Bevor wir wieder auf Wanderschaft gingen, wollten wir uns noch morgens etwas ganz Besonderes gönnen. Durch eine Straßenwerbung am Ortseingang waren wir zufällig auf die kleine Firma Rautis in Poniklá gestoßen. Das Riesengebirge war ja dereinst das Zentrum einer mittel- und kleinunternehmerischen Glasindustrie.

IMG_5729Zu den besonderen Spezialitäten gehörte die Produktion von Weihnachtsschmuck aus geblasenem Glas. In Poniklá wird diese Tradition noch am Leben gehalten. Rautis vertreibt den Schmuck nicht nur im eigenen Laden, sondern bietet auch noch Führungen durch den Betrieb an, der wie eine Zeitreise wirkt.

Hier wird tatsächlich noch so produziert wie es wohl noch in der Zwischenkriegszeit – als der Betrieb noch von einem sudetendeutschen Unternehmer geführt wurde – getan wurde. Mit dem heutigen deutschen Arbeitsschutzrecht mag da manches nicht vereinbar IMG_5712sein, mutmaßten wir, dafür strahlte die kleine Firma eine richtig gemütliche Familienbetriebsatmosphäre aus. Es war richtig nett organisiert, die Führung war von herzlicher Liebe zu Sache geprägt und wirklich, wirklich lehrreich.

Der kleine Apparat (rechts), mit dem in Handarbeit Glasröhrchen erhitzt, mit Luft gefüllt und in die Form aneinandergereihter Perlen gepresst werden wirkt nicht nur altertümlich, sondern ist auch ein Altertümchen – original aus alten Zeiten! Funktioniert prächtig, wenngleich klar ist, dass so keine billige Massenware hergestellt werden kann.

Danach werden sie entweder von innen versilbert, wobei eine Mitarbeiterin eine silbrige Lösung durch die noch zusammenhängen Perlen (der Grundbaustein des Schmucks) mit dem Mund einsaugt. Danach werden sie Perlen auseinandergesägt IMG_5717(Handarbeit!). Oder die Stücke werden in Farbfässern von außen sehr schön bunt und transparent eingefärbt, indem man sie in Fässer  (links) taucht, die eine Farbflüssigkeit enthalten, die so scharf und ätzend riecht, dass die Mitarbeiter angewiesen sind, sich nicht zu lange in dem entsprechenden Raum aufzuhalten.

Danach werden die Stücke noch einmal per Hand entweder bemalt oder mit Glitzermaterial beklebt – je nachdem, was für ein Schmuck damit am Ende hergestellt wird. Mit dünnem Draht kunstvoll verbunden, lassen sich aus den Perlen (siehe die hübsche Krippe im großen Bild oben) zu phantasievollen Ornamenten und Figuren zusammensetzen. poniklaDas Schöne daran ist, dass man sich daran am Ende der Führung selbst daran versuchen, so etwas zusammenzubasteln!

Auf dem Bild rechts sieht man meinen (DD) Versuch einen Weihnachtsstern zu basteln und Lieselottes vollendeten Weihnachtsengel. Das war echter Riesenspaß im Riesengebirge!

Außerdem stellt die Firma in kleinen Vitrinen noch besondere Schaustücke aus Vergangenheit und IMG_5713Gegenwart aus, die zum Teil wahre Kunstwerke sind.

Uns gefiel als überzeugte Liberale natürlich die kleine und äußerst niedliche Freiheitsstatue besonders gut.

Die Freude, die der Besuch verbreitete, hat sich in unserem Fall auch für die Firma Rautis gelohnt. Als seit jeher begeisterte Fans von Weihnachtsschmuck, haben wir im Laden unten gleich ordentlich die Kreditkarte zum Schmelzen gebracht. Man kann schließlich nie früh genug an das nächste Weihnachtsfest denken!

Und weiter ging es. Von Poniklá fuhren wir ins sehr nahegelegene Jablonec an der Iser, um von dort aus unsere nächste Wanderung in Angriff zu nehmen. Die führte über nette kleine Ortschaften und hübsche Landschaften – darunter dersteil hinauf zu dem Dorf Františkov.

Das Thema „Kunsthandwerk“ begegnete uns auch hier. Das etwas im Abseits gelegene Dorf vermarktet sich als Zentrum der Holzschnitzerei. Jährlich findet dort ein IMG_5749großer Holzschnitzwettbewerb statt, der wohl ein großes Spektakel ist. Die Resultate schmücken die schönen Waldwege in der ganzen Umgebung. Überall im Wald entdeckt man witzige und schrullige Holzfiguren.

Dazu gibt es im Dorfkern auch das passende Museum, das den Besuch lohnt. Hier stehen vor allem außen, aber auch in einigen Innenräumen weiter Schnitzwerke.

IMG_5751In anderen Räumen befindet sich eine Art Heimatmuseum, das vor allem Gegenstände des Alltagslebens im Dorfe aus der vergangenen Zeit zeigt – von Küchenutensil über alte Skibrettln bis zu Damenunterwäsche.

Das Higlight des Museums führte uns der feundliche ältere Herr, der gerade dort den Museumsdienst schob (wir waren die einzigen Besucher), persönlich vor. In den Zeiten des Realsozialismus hatte man für große IMG_5766Feuerwehrautos wohl entweder kein Geld oder die Straßen waren zu eng und klein dafür.

Folglich half man sich in den 70er Jahren mit einem Kleinmotorrad, das man rot anmalte und an das man dann mehrere Feuerlöscher, einen Verbandskoffer, ein Blaulicht, eine Sirene und ein bewegliches Sprührohr (das wie eine Panzerkanone vorne aufgesetzt wurde) montierte. Damit konnte dann ein Feuerwehrmann anknattern wenn im Dorf ein Feuer ausbrach. Das originelle Gerät ist irgendwie – man sieht es am hintergründigen Lächeln des Museumswärters – das kurioseste und beliebteste Exponat des Museums.

Insgeheim ist sicher jedermann in Františkov trotzdem froh, dass es seine Wirksamkeit im Katastrophenfall nie hatte beweisen müssen.

   11. Mai: Sich ganz nach oben mogeln …

Nächster Tag: Endlich soll der höchste Berg, die Sněžka (dt.: Schneekoppe) in Angriff genommen werden. Der Plan: Mit der Gondelbahn von Pec pod Sněžkou auf dieMittelstation, dann von dort auf den Gipfel und von dort auf einen langen, geschwungenen Abstieg bis hinunter ins Tal zurück nach Pec pod Sněžkou.

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Begünstigt wurde der Entscheid durch Internetinformation, dass die Gondeln an diesem Tag sowieso nur zur Mittelstation fahren würden. IMG_5783Vor Ort erwies sich das als Fehlinformation. Folglich mogelten wir kurzentschlossen und ließen uns von der Gondel nach oben zum Gipfel auf 1603 Meter Höhe tragen.

Wir wussten ja nicht, was uns oben erwartet. Am Ende war es gut, dass wir das getan hatten, denn der weitere Weg war sehr viel mühseliger als man es von der Beschreibung in Wanderführern hätte erwarten können. Nachdem wir oben gesehen hatten, was es dort zu sehen gibt (die Kapelle, das mäßige Restaurant und das höchste Postamt Tschechiens) ging es mit dem Abstieg von der gar nicht so hoch scheinenden Gipfelkuppe. Dieser Weg war aber mit Schulausflugs- und Touristengruppen überfüllt, mit einer glatten Eisdecke, auf der sich glitschiger Schnee gesammelt hatte, bedeckt, während der Hund vor Begeisterung an der Leine zerrte. Nur ganz langsam und vorsichtigstenst konnte man sich den Weg nach unten zum Kamm erkämpfen – schweißgebadet trotz der Kälte.

ParohacUnten am Fuß der Kuppe war es noch ein gar nicht so langer Marsch durch verschneite Weg zum eigentlichen Highlight der Gegend: Die Lučni Bouda (Wiesenbaude), Europas größte Berghütte – gemütlich und gut gemanagt! Hier wird dem hungigen Wanderer nicht nur deftiges Essen serviert, sondern  dem durstigen Wanderer auch Bier, das seinesgleichen sucht. Auf 1410 Meter Höhe hat man im Hause eine eigene Brauerei eingerichtet, die mindestens vier verschiedene und exzellente Sorten von Dunkel über Hell bis zum herben Ale, braut. Wer übernachtet, kann sogar ein Bierbad nehmen (wir haben aber nicht übernachtet).

Serviert wird nur frisch Gezapftes. Wenn man aber vorsichtig nachfragt, wird einem eine Flasche gefüllt. Sie trägt natürlich das Logo der eigenen Biermarke, Paroháč (Hörnerträger). Nur von weitem und dann nur denen, die ihren unschuldigen Sinn bewahrt haben, ähnelt das Logo dem von Jägermeister. Irgendwie ist da ein Hirsch drauf. Der nähere Blick offenbart etwas, das weniger jugendfrei ist. Aber auch das trägt dazu bei, dass Paroháč unter Bergfreunden im Riesengebirge zum Kult geworden ist.

Nach der wohlverdienten Erholungspause in der Lučni Bouda ging es zwecks Abarbeitung der hier zugeführten Kalorien noch einmal für eine Weile hoch hinauf zur IMG_5815Kapelle des Památník obětem Krkonoš (Denkmal für die Opfer des Riesengebirges). Schon seit 1798 – also der Zeit als der Bergtourismus gerade in die Kinderschuhe zu schlüpfen begann – wird hier aller Bergsteiger gedacht, die im Gebirge umkamen, weil sie möglicherweise die Gefahren, die sich aus den rapiden Wetterumschwüngen hier ergeben, unterschätzten. Die Kapelle, die seit 1957 hier stehet, ist leider fast immer geschlossen, so dass wir keinen Einblick ins Innere haben konnten. Dafür wird man entschädigt, weil der Blick außen herum grandios ist, insbesondere der zur Schneekoppe. Zu dieser Aussicht gehören auch wieder die Bunker aus der Zeit als man sich gegen Hitler verteidigen wollte, die sich in regelmäßigen Abständen über den Kamm ziehen. Siehe dazu die Absätze zum Thema am 8. und 19. Mai.

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Danach geht es eigentlich nur noch steil herab. Wer weiterhin in Bouden einkehren will, kann dies schon bald in der Chata Výrovka (Geiergucke) und weiter unten an der Richtrovy boudy (Richter-Baude).

Beim Abstieg aus solcher Höhe ist es beeindruckend zu sehen, wie sich die Vergetation nach einiger Zeit immer wieder abrupt ändert. Am Anfang sieht man nur graue Felsen und dürre Wiesen. IMG_5819Selbst im Mai sind sie teilweise noch mit enormen und übermannshohen Schneemassen überdeckt. Wie es hier mitten im tiefsten Winter aussieht, kann man sich kaum ausmalen. Nur wenige Meter tiefer wachsen dann aber schon kleine Nadelsträucher aus dem Schnee heraus (Latschenkiefern), denen große Kiefern folgen. Plötzlich wachsen einige Birken dazwischen, die wohl unter den Laubbäumen über die größte Anpassungsfähigkeit gegenüber den Herausforderungen der Höhenlagen verfügen. Nahe am Tal zeigt sich die Fruchtbarkeit der Region. Laubbäume aller Arten und saftige Wiesen beherrschen das Bild.

Es ist schon Abend als wir wieder bei der Talstation in Pec ankamen. Das nächste mal, so dachten wir uns, sind wir noch sportlicher und ersteigen die Schneekoppe ohne Hilfe der  Seilbahn!

   12. Mai: Die Hochmoore beim Černá Hora

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1299 Meter ist der Černá Hora (Schwarze Berg) über dem Kurort Janské Lázně (Johannesbad) hoch. Da haben wir erst einmal die Seilbahn genommen. Das Wetter schien instabil zu sein. Diesmal sollte die Wanderung daher etwas kürzer werden.

IMG_5836Oben, nahe der Bergstation, kann man dort erst einmal die schöne Aussicht genießen. Ein Ex-Pylon des Skilifts des Wintersportgebietes hier oben wurde nämlich zum Aussichtsturm ausgebaut. Von hier aus entgeht einem wenig Sehenswertes aus dem Riesengebirge.

Von da aus kann man sich zunächst einmal fast ebenerdig, d.h. ohne nennenswerte Steigungen zum Gipfel hin bewegen. Auf dem wurde schon zu kommunistischen Zeiten eine Radio- und Fernsehsendestation errichtet, der man das auch ansieht. Sozialistische Stahlbetonästhetik, die aber irgendwie auch ihren Charme hat. IMG_5838Die Anlage, die 1977 erbaut wurde, ist übrigens noch in Betrieb. Die an einen umgekehrten Küchentrichter erinnernde Form des Gebäudes lässt den Černá Hora (neben der Schneekoppe) zu dem am leichtesten aus der Ferne erkennbaren Berg des Riesengebirges werden.

Erst allmählich, dann aber doch immer mehr steiler geht es jetzt bergab. Jetzt war sie wegen Umbauarbeiten geschlossen, aber sonst hätte man schon nach kurzem Weg bei der Černá Bouda einkehren können.

Noch etwas weiter darunter verändert sich die Landschaft. Ungewöhnlich und schön wird es. Hier hat sich eine selbst für das Riesengebirge, das reich an derartigem ist, eine besonders eindrucksvolle Hochmoorlandschaft herausgebildet. IMG_5841Teilweise kann man sie nur  auf kleinen Stegen durchwandern (was wieder ein Indiz dafür ist, wie sorgfältig und gut Wanderwege in Tschechien angelegt werden!).

IMG_5846Nicht nur die Moorlandschaft selbst ist schön, sie erlaubt – weil sie im Vergleich zu den anderen Berghöhen eher baumarm ist – auch Aussichten auf das Umland, die ihresgleichen suchen. Verstärkt wurde der Effekt dadurch, dass bei unserer Wanderung düstere Wolken aufzogen, was einzigartige und zu den Mooren passenende Lichtverhältnisse schuf.

Dann setzte im Nebental bei Spindlermühle ein Gewitter ein, das zwar nicht hierher herüberkam, aber deutlich hörbar war. Unsere Lady Edith, sonst eine tapfere und fleißige Wanderin, kriegte panische Angst. Ein Gewitter auf einem kahlen Berge ist ja auch nichts, womit man spassen sollte. Sie zerrte uns geradezu runter in den talwärts gelegenen Wald hinein (wo sie sich etwas geschützter fühlte) und fand – so als ob sie die Gegend bereits kannte – den kürzesten Weg zur Pardubické boudy. Wie sich überhaupt bei Wanderungen von nun an herausstellte, dass sie ganz instinktiv immer den Weg zur nächsten Einkehrmöglichkeit findet und dort Rast machen möchte. Den Eingang auf der Hinterseite fand sie ohne jede Überlegung und schnurstracks. Und so saßen wir bei einer ungeplanten Einkehr und der Hund war glücklich, weil er sich hier sicher fühlte.

Die Baude war übrigens eine der kleinsten, dafür aber auch eine der urigsten und gemütlichsten, die wir im Riesengebirge besucht haben. Lady Ediths gastronomischer Tipp kann also weiter empfohlen werden!

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Auf dem weiteren Wege – nach der Rast – war das Gewitter endgültig vorbeigezogen. Der Hund konnte wieder angstfrei (und gesättigt) mitwandern. Dafür fing es an zu regnen. Ziemlich durchgeweicht waren wir alle bei der Ankunft unten im Tale. Der Regen hörte auf und wir wurden mit dem Anblick eines wunderschönen Regenbogens belohnt.

IMG_5848Im Tal schauten wir uns noch ein wenig Janské Lázně an. Obwohl der Sozialismus seine Spuren hinterlassen hat, gibt es viele Stellen , wo noch das klassische Kurort-Flair herrscht, das diesen Ort seit dem 19. Jahrhundert geprägt hat.

IMG_5850Dazu zählt die große Kurhalle im schönsten Jugendstil. Hier kann man immer noch gemütlich eine gepflegte Kaffeetafel genießen – eine Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte. Weil ihr das Gewitter seelisch so zugesetzt hatte, bekam Lady Edith ein Hörnchen mit Erdbeereis, das sie mit sichtlicher Freude verzehrte.

Und zurück auf dem Parkplatz schenkte uns der Wettergott abermals den Anblick eines besonders schönen und klaren Regenbogens.

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13. Mai: Regentag mit Rübezahl in Vrchlabí

Wie sich schon am Vortag abgezeichnet hatte, war das Wetter an diesem Tage richtig mies und regnerisch. So etwas ist die Gelegenheit, sich neben der Wanderei ein wenig kulturelle Indoor-Aktivität zu gönnen. In der Nähe von Hostinné befindet sich als nächstliegende (etwas) größere Stadt Vrchlabí (früher Hohenelbe).

IMG_5861Der Ort verfügt über ein schon auf ersten Blick recht kulturträchtiges und 1a in Schuss gehaltenes Ortszentrum mit vielen hübschen Gebäuden wie jenes, in dem das Fremdenverkehrsamt untergebracht ist (links).

Schon seit dem 13. Jahrhundert existiert die Stadt, die dann 1533 auch ihre Stadtrechte erhielt und sich schnell zu einm regionalen Zentrum des Riesengebirgslandes entwickelte – was der Ort bis heute geblieben ist.

IMG_5859Kurz darauf baute man dann auch das Schloss, das im feinsten Renaissance-Stil gehalten ist, und um 1545 erbaut wurde. Es beherbergt heute das Rathaus der Gemeinde. Ein schöner Park mit viel Grün und von freundlichen Enten bewohnten Teichen umgibt das Schloss und lädt dazu ein, sich das Gebäude von allen Seiten aus zu betrachten.

IMG_5922Der lokalgeschichtlichen Museen kann man gleich zwei besuchen. Eines davon befindet sich in den Mauern des schon für sich genommen sehenswerten barocken Augustiner-Klosters: Die Ausstellung des Riesengebirgsmuseums hier befasst sich mit der Geologie und der Geschichte des Bergbaus seit dem Mittelalter in der Region.

Mehr kulturgeschichtliche Aspekte behandelt das Museum am Markt, das aus vier kleinen typischen Häusern des Sudetenlands besteht. Dazu gehören die Entwicklung des Wintersports, die bäuerliche Möbelkunst, das Handwerk und eine kleine Sektion, die dem beliebtesten Werbeträger der Region gewidmet ist, IMG_5862dem Rübezahl. Die kleine Sammlung uralter Rübezahlfiguren und -puppen (rechts) fanden wir jedenfalls äußerst entzückend.

Sehr beeindruckend, wenngleich auch beklemmend war auch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Sudeten in der Zwischenkriegszeit. Der Ausmaß des Hasses zwischen Deutschen und Tschechen in dieser Zeit und der Vormarsch des Nationalsozialismus unter den Sudeten ist erschütternd dokumentiert. Möge nie wieder so etwas passieren!

   14. Mai: Rauf auf die Burg in Polen!

Unbeständig, aber nicht mehr so schlimm wie gesern war das Wetter im Netz angekündigt. Vor allem: Auf der polnischen Seite des Gebirges sollte es besser sein. Also nix wie hin!

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Im Vorland des Gebirges stehen in der Nähe von Jelenia Góra ( früher Hirschberg) auf einem Berggipfel die Ruinen der Burg Chojnik (dt.: Burg Kynast). Deren Ursprüngen gehen auf das späte 13. Jahrhundert zurück, wo sie als Teil der grenzbefestigung zwischen dem schlesischen und böhmischen Teil des Riesengebirges diente. Diese Funktion verlor nach dem 30jährigen Krieg allmählich an Bedeutung. Als die Burg 1675 einem Feuer zum Opfer fiel, ließ man sie verfallen. Im  Zeitalter der Romantik waren Ruinen in so idyllischer Lage en vogue. Der Tourismus setzte ein. Heute führen gut ausgebaute Wanderwege hoch, die durch eine wunderschöne felsige Landschaft führen. IMG_5900Das Areal um die Burg herum ist heute eine Art Exklave des Riesengebirgs-Nationalparks. Das Ganze ist hervorragend touristisch erschlossen.

Schon auf dem Weg nach oben kann man immer wieder wunderschöne Ausblicke auf das Riesengebirge selbst oder das von Seen bedeckte Umland hier im polnischen Schlesien.

IMG_5890Besteigt man oben den noch intakten Bergfried, wird die Aussicht noch grandioser. Der Aufstieg (für den Besuch der Burg muss man Eintritt bezahlen) lohnt sich also.

In ihren Ausmaßen ist die Burg durchaus beeindruckend. Die starken Mauern haben dem Feuer und dem ständig nagenden Zahn der Zeit recht gut standgehalten. Man bekommt also noch einen reellen Eindruck von der einstigen Pracht zu sehen. Deshalb ist sie auch ungeheuer populär als Touristen- und Ausflüglerdestination. Um den Tourismus anzukurbeln gibt es ab und an im Sommer auch wohlinszenierte Ritterspiele auf dem Gelände.

IMG_5913Unten im Ort Sobieszów kann man sich auch ein wenig umschauen. Der wirtschaftliche Niedergang durch den Kommunismus hat Spuren hinterlassen, aber die (leider geschlossene) kleine Barockkirche auf dem Hügel sieht von außen beeindruckend aus.

Und das Wetter spielte wieder einigermaßen mit. Nur am Schluss der Wanderung erschreckte ein kurzes Gewitter unseren Hund … Für nächsten Tag war denn auch schon wieder gutes Wetter angekündigt. Zeit, sich schon gedanklich darauf vorzubereiten.

   15. Mai: Hoch über Vrchlabí durch Wald und Wiesen

Ja, das Wetter wurde wirklich besser. Jetzt war wieder Out-Door-Aktivität angesagt, nämlich wandern. Oberhalb Vrchlabís ist die Landschaft milder als im Kern des Hochgebirges. Es sind wenige Touristen hier. Die Wiesen laden dazu ein, Lady Edith mit einem schönen „Leine los!“ zu beglücken. Sie nutzte das Ganze freudig aus!

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Neben schönen Aussichten auf das Gebirge waren es die Kleinigkeiten, die diese Wanderung so schön machten.

Hinter dem Kloster, vorbei am Friedhof geht es steil hinauf. Dort kann man sich gleich bei der hübschen kleinen Kapelle der Heiligen Anna und der 14 Heiligen Nothelfer IMG_5917(Kaple sv. Anny a 14 sv. pomocníků) eine kleine Rast gönnen. Man tritt damit quasi in große Fußstapfen, denn 1778 machte Kaiser Josef II.  hier ebenfalls eine Rast. Er ist irgendwie der einzige Habsburger nach dem 30jährigen Krieg, der es bis heute zur anhaltenden Beliebtheit unter Tschechen brachte, vielleicht weil er es war, der 1781 die Leibeigenschaft abschaffte. Eine Steintafel über dem Eingang erinnert an den Besuch des aufgeklärten Monarchen.

Nach einiger Zeit und einer Wanderung über einen Bergkamm kommt man in den hübschen Ort Valteřice (dt. Waltersdorf), wo man noch kleine, in Familienbetrieb befindliche Sägewerke sehen kann, die sehr altertümlich wirken.

IMG_5923Dann wieder Vrchlabí. Hier nutzten wir die Gelegenheit, uns doch einmal den Friedhof neben dem Kloster näher anzusehen. Der ist nämlich wirklich sehenswert. Es gibt den IMG_5931Teil der heute noch für Beerdigungen genutzt wird (mit den heute üblichen sachlichen Grabsteinen) und es gibt den historischen Teil. An den Grabinschriften hier zeigt sich, dass die Stadt einmal hauptsächlich von Deutschen bewohnt war, und dass es wohl früher einen beträchtlichen IMG_5932Wohlstand dort gab, der aber wahrscheinlich Opfer des Kommunismus geworden ist. Die Gräber der großbürgerlichen Deutschen sind jedenfalls prachtvoll. Man kann eine Reise durch die Architektur- und Bildhauereigeschichte des 19. Jahrhunderts machen, wenn man zwischen den Mausoleen und Grabsteinen umherwandert. Klassizismus, Neogotik, Historismus, Jugendstil – IMG_5928jeder Kunststil der Zeit ist hier präsent. Dazu passt der schöne alte Baumbestand, der Schatten spendet, und die Aussicht auf das Kloster darunter.

Schön ist, dass der Friedhof sorgfältig gepflegt ist. Die Zeit hat die Wunden geheilt, die früher durch die schrecklichen Auseinandersetzungen der Zwischenkriegsära  gerissen worden waren. Man kümmert sich wieder um ein ungeteiltes historisches Erbe.

Auffallend viele Deutsche, die Ahnenforschung zu betreiben scheinen, sieht man auf diesem Teil des Friedhofs. Es ist ein Ort, der nicht nur durch seine Schönheit besticht, sondern auch zum Nachdenken über Vergangenheit und Gegenwart einlädt.

   16. Mai: Die Wikinger kommen?

Nein, keine Angst, sie kommen nicht! Aber in der Nähe der polnischen Stadt Karpacz (früher: Krummhübel) könnte man fast den Eindruck haben, sie seien hier gewesen. IMG_5937Etwas außer- und vor allem oberhalb der Stadt befindet sich die hölzerne Stabkirche Wang. Sie ist tatsächlich eine echte Wikingerkirche. Wirklich echt! Das sieht man ihr auch an, besonders an der Eingangstür, wo man typisch wikingische Tierornamentik betrachten kann.

Desgleichen gilt für die ungewöhnliche Konstruktion, die so gar nicht dem entspricht, wie die Kirchen der Umgebung sonst so aussehen. Aber wie kommt sie denn IMG_5946hierhin, wenn es die Wikinger dereinst nicht in diese Gegend verschlagen hatte. Nun, ursprünglich stand die Kirche auch gar nicht in Karpacz, sondern in der südnorwegischen Stadt Vang (daher: Wang-Kirche). Dort wurde sie im 12. Jahrhundert erbaut. Im 19. Jahrhundert war die Gemeinde dort so groß geworden, dass die Kirche nicht mehr ausreichte. Man beschloss eine neue Kirche zu bauen und die alte dem Verfall zu überlassen. Ein dort vorbei reisender deutscher Maler fand das bedauerlich und überredete nach seiner Rückkehr den sehr kunstbeflissenen preußischen König Friedrich-Wilhelm IV., die Kirche zu kaufen, in Stücke zerlegen zu lassen, und nahe Berlin wieder aufbauen zu lassen. Der Intervention der Gräfin Friederike von Reden, die deshalb auch neben der Kirche durch ein Denkmal IMG_5938verewigt ist, verdankt die Kirche, dass sie dann doch nach karpacz kam, wo sie 1844 feierlich eröffnet wurde. Einige Zeit später wurde neben der Kirche noch ein von Friedrich August Stüler (einem Schinkel-Schüler) entworfener Glockenturm. Da in der Gegend eisige Winde von der Schneekoppe wehen, dient der Turm auch dem Schutz des Holzgebäudes vor Witterungsschäden.

So ist die Kirche immer noch im Betrieb und gehört zur kleinen evangelischen Gemeinde der Stadt. In ihrem Inneren finden immer noch Gottesdienste statt. Zwischen den Gottesdiensten ist der Andrang der Touristen zu diesem kuriosen Baudenkmal groß. Der Tourismus ist wohlorganisiert. Selbst die Stelle auf dem vorgelagerten Friedhof, von der aus man die besten Photos machen kann, ist genau markiert, damit der Urlaubsschnappschuss nicht daneben geht. Das große Bild unten zeigt also, wie das laut Fremdenverkehrsamt optimale Photo der Kirche auszusehen hat:

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Der Aufstieg zu Wang-Kirche war erst der Anfang einer sehr erbaulichen Wanderung in der Umgebung. Die folgte den Angaben unseres Wanderführers. Der Autor hatte sich nämlich die clevere Idee ausgedacht, dass der Weg immer am Rande des Nationalparks entlanglaufen müsse, da der Eintritt zum Park in Polen (nicht in Tschechien) kostenpflichtig ist. Nun ja, auf das Geld (das ja der guten Sache des Naturschutzes dient) IMG_5953kommt es nicht an. Aber der Weg war wirklich schön. Es führte durch einsame, nicht von Touristen überlaufene Wälder und kleine Dörfer mit typischen alten schlesischen Bauernhäusern (links in Borowice), dann schließlich zur hübschen St. Anna-Kapelle über Milków.IMG_5955

Von der Kapelle hat man nicht nur eine schöne Aussicht auf die Berg- und Seenlandschaft der Umgebung. Die gibt es schon seit 1316. Der heutige Bau, der sich von außen recht trutzig und schlicht ausnimmt, stammt jedoch aus dem Jahr 1718, was man beim Inneren besonders deutlich sieht, IMG_5956das in reinstem Barock gehalten ist. Den Innenraum kann man nicht wirklich betreten, sondern nur durch ein Gitter beobachten.

Drumherum kann man entweder in einer netten Gaststätte oder auf einem Picknickplatz die Aussicht (die, wie üblich, wunderschön ist) genießen.

Über verschlungene und teilweise recht steile Wege kommt man von dort auch durch schöne schattige Wälder wieder nach Karpacz zurück. Und Wikingern sind wir tatsächlich keinen begegnet …

    17. Mai: Der Freundschaftsweg

Es beginnt wieder mit einer Busfahrt von Spindlermühle zur hochgelegenen Spindlerbaude (siehe Eintrag 6. Mai). Diesmal ging die Wanderung aber nicht RIchtung Elbquelle, sondern entlang des Freundschaftsweges. In seinem heutigen Verlauf wurde der 1961 ganz im Sinne der herrschenden Ideologie als „Tschechoslowakisch-Polnischer Freundschaftsweg“ eingerichtet. Es handelt sich um einen der schönsten Wanderwege im hohen Riesengebirge überhaupt. Von der Spindlerbaude geht es erst einmal sehr steil rauf, aber dann läuft man eigentlich recht bequem auf dem Gebirgskamm – und zwar genau auf der Grenze zwischen beiden Ländern.

Erste große Sehenswürdigkeit ist der Mittagsstein (Polední kámen), die mit der Rübezahllegende verbunden ist.

IMG_5965Angeblich soll Rübezahl den Felsen hierhin hoch geschleppt haben, um ihn in den darunter gelegenen See zu werfen, damit unten in Schlesien die Menschen in den Flutwellen ertrinken. Daran konnte er gottlob gehindert werden, und so stehen die Steine da immer noch pittoresk herum.

Womit wir schon beim Thema See sind. Unterhalb gibt es tatsächlich sowohl den Wielki Staw (Großen Teich) und Maly Staw (Kleinen Teich), die sich beide IMG_5970extrem malerisch machen. Im Bild sieht man den Großen Teich.

So geht es immer mehr in Richtung der Schneekoppe. Die kannten wir ja schon. Folglich bogen wir kurz vorher rechts ab zur Lučni Bouda. Nun ja, die kannten wir natürlich auch (siehe Eintrag vom 11. Mai). Aber eine Baude mit eigener Brauerei kann man natürlich immer zweimal besuchen! Wenn nicht öfters!

Anders als das letzte Mal als wir dort waren, stiegen wir nicht nach Pec pod Sněžkou herab, sondern zurück nach Spindlermühle. Dieser Weg führte erst über tief verschneite Weg und dann durch das steil abfallende und wildromantische Tal des Svatopetrský potok (Grundwasser-Bach). IMG_5984Das gilt als lawinengefährdet, was man an den vielen Gedenksteinen für von den Wasser- und Steinmassen Verschütteten sieht, die am Wegesrande stehen. Das Riesengebirge ist eben doch gefährlicher als man denkt.

Uns ist gottlob nichts passiert. Im Gegenteil, die IMG_5983Zerklüftung der Landschaft durch die rollenden Gesteinsmassen trägt zur Schönheit der Landschaft erheblich bei. Von allen Seiten donnern Wasserkaskaden in das Tal und sorgen dafür, dass der Bach immer reißender und wilder wird. Und ist man erst einmal im Tal angekommen, bleibt nur die Erinnerung an einen besonders schönen Abstieg and einen besonders schönen Flusslauf. Am Ende landeten wir wieder in Spindlermühle, wo übrigens der Svatopetrský potok in die Elbe fließt.

   18. Mai: Edelmütige Helden und Bunker mit Aussicht, dazu gutes Brot

Diesmal wurde nicht gemogelt! Es wurde nicht die Seilbahn genommen. Steil stiegen wir von dem Skisportzentrum Horní Mísečky hinauf auf den Gipfel des  Medvědín  – und das IMG_5990bei praller Sonne! Auf dem Medvědín kann man dann sehen, wo man ausgestiegen wäre, wenn man die Seilbahn benutzt hätte, und zudem eine schöne Aussicht genießen und sich mit einem großen Holzbären photographieren lassen – denn der Medvědín heißt auf Deutsch „Bärenberg“.

Von dort geht es erst sanft, dann etwas steiler auf einer für den Verkehr gesperrten Straße hinauf auf die Vrbatova Bouda (Vrbata-Baude). Die liegt direkt unter einem Gipfel, auf dem sich ein großes Denkmal befindet. Es ist zwei IMG_5997Bergskisportlern gewidmet, die hier bei einem Wettrennen 1913 ums Leben kamen. Während des Rennens war ein schreckliches Unwetter mit Schneesturm aufgezogen. Václav Vrbata bekam mit, dass sein Rivale Bohumil Hanč verschollen und dem Erfrierungstod nah war. So rückte er wieder aus der Sicherheit der Hütte raus, um den Kameraden zu retten. Am Ende waren beide tot.

Soviel heldenhafter Edelmut verdient ein großes Denkmal!

Auf dem Bergrücken bewegten wir uns (unter schönen, aber windigen Wetterbedingungen, die uns aber kein Opfer à la Vrbata und Hanč abverlangten) den Kamm entlang Richtung des Kotel (früher Keselkoppe).IMG_5999

Hier zeigten sich die Bunkeranlagen der 30er Jahren von einer besonders beeindruckenden Seite. Wie eine Perlenkette ziehen sie sich aufgereiht über Kilometer auf den schönsten Aussichtspunkten des Kammes hin.

Es wurde ja schon darauf hingewiesen, dass der kleine Standardbunker, den man am häufigsten an der Grenze antrifft, klein und eng war, und dass der Dienst dort sehr unangenehm und unbequem gewesen sein muss für die kleine Besatzung.

Bei einigen der Bunker hier oben auf dem Kamm über dem Elbtal gab es wenigsten eine kleine Entschädigung: den Blick aus der kleinen Schießluke mit Blick auf die machtvoll in der

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Blick aus dem Bunker

Ferne herausragenden Schneekoppe! So einen Blick bieten selbst wenige Hotels…

Von hier aus kann man schon Labská Bouda und Elbquelle sehen. Da wir aber die schon kannten, bogen wir südlich ab und stiegen 300 Meter tiefer zur Dvoracky Bouda ab. Das ist eine geradezu luxuriös ausgestattete Berghütte, wo es sich gut und gepflegt einkehren lässt. Als IMG_6009besondere Spezialität fiel das dort selbst gebackene Brot auf, das in jeder Hinsicht das ansonsten ja meist recht mittelmäßige tschechische Brot übertraf. Auch die typische Riesengebirgssuppe aus Sauerteig, „Kyselo“ genannt, war schlichtweg vortrefflich!

Stolz sind die Besitzer auch auf ihre Husky-Zucht. IMG_6017Prächtige Tiere! Schon von Weitem konnte man ihr Geheul hören. Jetzt konnten sie sich noch ausruhen, im Winter, wenn es schneit, ist allerdings sportlicher Einsatz am Schlitten angesagt.

Von der Hütte ging es dann weit unterhalb des Kammes durch schöne Landschaften und schattige Wälder (was an einem so heißen Tag hilfreich ist) und über Bäche, die man ohne Hilfe von Stegen überwinden musste (Risiko: tragbar, wie man rechts sieht), zurück nach Horní Mísečky, wo schon unser Auto wartete, um uns zurück nach Hostinné zu bringen.

   19. Mai: Die Schneekoppe – jetzt aber wirklich!

Das schlechte Gewissen hat gesiegt. Die Schneekoppe per Seilbahn – das ist unsportlich (siehe 11. Mai). Deshalb ging es jetzt auf die harte Tour hinauf. In Horní Malá Úpa (früher Ober-Kleinaupa), wo ein Pass nach Polen führt, ging es los. Erstes Ziel: Die Jelenka Bouda auf 1263 Meter Höhe (wovon die letzten schon ganz schön steil waren). Dort musste man – schon wegen des guten lokalen Bieres – einkehren. IMG_6026Das nächste Stück zum Gipfel des Svorová hora (Schwarze Koppe) auf 1411 Meter Höhe. War zwar ein steiler Weg, aber eigentlich angenehm zu schaffen. Außer man will nicht in eine riesige Touristengruppe geraten, die ebenfalls zur gleichen Zeit herauf will. Schon in der Jelenka Bouda hatte sich eine rüstige Gruppe sehr netter dänischer Rentner versammelt, um von hier aus Schwarze Koppe und Schneekoppe in Angriff zu nehmen. Die sagten, sie wären fit, und das waren sie auch – denn, wie jedermann weiß: Dänen lügen nicht! Wir laufen nicht so gerne mitten in einer Touristengruppe nach oben. Zuviel Gedrängel. Also mussten bei großer Hitze recht schnell hochstürmen, um nicht eingeholt zu werden und den Vorsprung auszubauen. IMG_6031Aber am Ende hatte man sie abgehängt und konnte für eine Weile auf dem Geröll des Gipfels sitzend (oben) die Aussicht auf der Schwarzen Koppe genießen.

Von da aus ging es direkt auf die Schneekoppe zu. Das letzte Stück war steil, felsig und baumlos bei praller Sonne. Oben besuchten wir das einzige alte Gebäude, die im 18. Jahrhundert erbaute Kapelle. Von dem Schnee, der uns hier oben das letzte Mal (genauer: am 11. Mai) zu schaffen gemacht hatte, war nichts mehr übrig. Man fühlte sich verschwitzter, aber trittsicherer.

Dann musste man aber erst einmal Rast machen. Das sozialistische Stahlmonstrum, das IMG_6037das Restaurant beherbergt, sieht in der Tat von unten etwas nach einem UFO aus. Eigentlich fast schon wieder witzig. Es wird von Polen aus betrieben und es bewahrheitete sich wieder einmal, dass die tschechischen Bauden und Berggaststätten besser gemanagt und mit besserem Angebot ausgestattet sind als die polnischen.

Aber es ging ja primär um Lady Edith, die mit ihren kurzen Beinen auf dem letzten Gipfelmeter übermenschliche bzw. überhundliche Leistungen vollbracht hatte. Die übergroße Portion Softeis (Vanille/Erdbeer), die es hier immerhin gab, war genau das Richtige für sie! Fast schon neidisch wurde sie von den Touristen, die bei uns saßen, beäugt, wie sie das Eis genußvoll verspeiste.

Dann ging es wieder herunter – zunächst entlang der Seilbahn, dann nach links abgebogen den Weg unterhalb des Kammes, den wir zuletzt beim Aufstieg benutzt IMG_6038hatten. Der sah auf der Karte leicht begehbar aus und wurde auch so im Wanderführer beschrieben.

In Wirklichkeit schlängelte er sich durch die Latschenkiefern, die eng beieinanderstanden. Der Weg selbst war kaum freigehauen und ging über hohes und eng verflochtenes Wurzelwerk. Das war recht mühsam, obwohl der Weg kaum Steigungen vorwies. Wo keine Latschenwurzeln im Wege waren, ging es über spitzes und schwer begehbares Geröll.

Die Aussicht machte dies wieder wett. Bald erreichten wir wieder die Jelenka Bouda.

Von da aus ging es fast problemlos eine unbefahrene Autostraße auf kürzestem Wege zurück zum Auto nach Horní Malá Úpa.

    20. Mai: 186 Stufen – dem Bunker auf den Grund gegangen

IMG_6051Es war kein sonderlich schönes Wetter angekündigt. Und diese Bunker, die wir überall sahen, begannen uns zu faszinieren. Bei Žacléř, wo sie uns schon am 8. Mai erstmals aufgefallen waren, befindet sich genau der Ort, wo man mehr darüber erfahren kann: die Festung Stachelberg. Es handelt sich um den größten Bunker der Region und das IMG_6047Herzstück dieses Verteidigungsabschnittes. Und er ist heute dank der unermüdlichen Tätigkeit eines örtlichen Geschichtsvereins, ein öffentlich zugängliches Museum.

Wenn man sich vom nur wenige 100 Meter entfernten Parkplatz dem Bunker nähert, sieht man, als Folge der sorgfältigen Arbeit des Vereins, wie der Hauptbunker, um den es hier geht, dereinst in ein verteidigungspolitisches Gesamtkonzept eingebettet worden war. Die Anlage ist mit einem nunmehr frisch rekonstruierten System von kleinen Schützengräben mit den nächsten kleinen Bunkern verbunden, die sich wie Perlen einer Kette aufgereiht durch die ganze Gegend ziehen.

Während sie anderswo der natürlichen Erosion überlassen werden, sind hier auch diese Kleinbunker liebevoll restauriert und gepflegt. Bei einem ragt sogar noch ganz IMG_6073authentisch ein Maschinengewehrlauf aus der Schießscharte – so als ob der Bunker noch im Einsatz wäre.

Richtig beeindruckend wird es aber erst, wenn man sich einer Führung ins Innere des Hauptbunkers (Modell T- S 73) anschließt. Wenn man herunter in die Tiefen steigt, kommt es einem schon recht heftig vor. Aber erst wenn man sich wieder die engen IMG_6065Stahltreppen wieder hinaufmüht und dabei Stufen zählt, wird einem das Ausmaß der Anlage bewussst: 186 Stufen habe ich gezählt. Alles in einem engen Schacht, der durch den harten Fels nach unten getrieben wurde. Unten befinden sich hunderte von Metern an Gängen (3,3 Kilometer waren geplant!) und 34 Räume – Lazarette, Schlafräume etc. IMG_6067Mit einer kleinen Eisenbahn, deren Schienen man noch sieht, sollten sie verbunden werden. Gigantisch! Dabei sieht man der Anlage an, dass sie nie vollendet wurde, denn der 1937 begonnene Bunkerbau fiel schon 1938 aufgrund des verräterischen Münchener Abkommens an ebenjenes Hitlerdeutschland, gegen das er die Tschechoslowakische Republik hätte verteidigen sollen. Die meisten Gänge und Räume sind noch nicht abgedichtet und das Grundwasser tropft noch überall hinein. Ein ungemütlicher und nasser Platz. Aber an einigen Stellen kann man sich vorstellen, wie geräumig und (verglichen mit den Kleinbunkern nebenan) bequem er ausgestattet gewesen wäre, hätte er seine Fertigstellung erlebt. Auch wenn man den bedrückenden historischen Hintergrund des Baus, über den im Erdgeschoss eine Ausstellung informiert, nicht verdrängen kann, bleibt doch am Ende einfach die Erinnerung an ein beeindruckendes technisches Meisterwerk.

Trotz seiner Größe ist der Bunker kein tagesfüllendes Programm. Aber die Umgebung hat ja noch mehr zu bieten! In Žacléř selbst sahen wir uns noch, nachdem das örtliche Bergbaumuseum geschlossen war, das hübsche und interessante Heimatmuseum an, dass sich sehr versöhnlich und differenziert um die Aufarbeitung der oft konfliktreichen deutsch-tschechischen Geschichte bemühte, aber auch viel zur Geschichte des örtlichen Bergbaus zu sagen hatte.

IMG_6074Blieb immer noch der Nachmittag. Also runter ins Tal. Fährt man zunächst durch die etwas öden Außenbezirke der Stadt hinein in die Innenstadt, ahnt man noch nicht, was für ein Juwel unter den Städten der Region Trutnov ist.

Die Stadt (ehemals Trautenau), die seit dem 12. Jahrhundert auf eine Geschichte zurückblicken kann, bietet alles, was man so erwarten kann: Ein wunderschöner Marktplatz, eine gotische Kirche vom Feinsten, ein schickes Heimatmuseum, eine große Brauerei und, und und …

Aber das einzigartige Highlight, für das man sich Zeit nehmen sollte, ist etwas anderes. Es hat etwas mit einem großen historischen Ereignis zu tun, das vor der Stadt am 27. Juni 1866 stattfand: der Schlacht von Trutnov! Im Krieg zwischen Österreich/Bayern und Preußen war dies die einzige Schlacht, bei der die richtige Seite gewonnen und Preußen IMG_6078verloren hat. Kurz darauf gelang aber den Truppen Preußens im nahegelegenen Königgrätz dann doch der kriegsentscheidende Sieg.

Die Stadt hat dem riesigen Areal des Schlachtfeldes schon schnell einen Gedenkpark mit den Gräbern der Gefallenen, seit einiger Zeit aber auch einen 4 Kilometer langen und didaktisch hervorragend aufgemachten Lehrpfad gewidmet.

Der Weg führt durch eine schöne Park- und Waldlandschaft, die vergessen macht, dass hier dereinst über 6000 Menschen ihr Leben verloren – die meisten übrigens unter den „siegreichen“ Österreichern, die für die erfolgreiche Rückeroberung der Stadt einen hohen Preis zahlten. Kleine schwarze gusseiserne Kreuze markieren heute die Stellen, wo Massengräber liegen. Man konnte aber auch Glück haben (soweit man posthum „Glück“ empfinden kann) und IMG_6090durch Stand, Rang oder Heldenmut deutlich prominenter und weniger anonym gewürdigt zu werden. Und so findet man am Wegesrande unzählige Grabdenkmäler, die sich äußerst stattlich ausnehmen.

Die ausgezeichnete Pflege und Restaurationsarbeit, die man diesen Denkmälern zukommen ließ, verstärkt diesen Effekt noch einmal.

Die Pracht nimmt umsomehr zu, je näher man an die Gedenkkapelle kommt, die auf dem höchsten Punkt des sehr steilen Geländes steht. Die ist eigentlich ein Werk des Barocks und stand hier schon mitten im IMG_6085Wald lange vor der Schlacht. Nach der Schlacht wurde sie zur Gedenkstätte umfunktioniert. Den barocken Ursprung sieht man auch noch im Innenraum.

Ansonsten ähnelt der Raum eher einem liebevoll aufgemachten Museum für Schlachtfeldarchäologie. In Vitrinen findet man viele Fundstücke – neben Ordensabzeichen insbesondere unzählige Gewehrkugeln. Sie sind oft musterförmig ausgestellt, so dass man fast vergisst, welch fürchterliche Wirkung sie einst entfalteten. Immerhin, auf den Gräberfeldern und den Denkmälern hat man sich schon damals IMG_6086bemüht, auf den früheren Hass zu beerdigen. Preußen und Österreicher sind nebeneinander beerdigt und die Inschriften verraten wenig Feindbildideologie. Die Feindseligkeit zwischen Preußen und Österreich hat den Krieg nicht lange überdauert.

Auf dem hervorragend ausgezeichneten Lehrpfad finden sich Tafeln, die einem spannend und äußerste detailreich den Ablaublauf der Schlacht und ihre Hintergründe nahebringen.

Alles in Allem: Wer sich für Schlachtfeldarchäologie interessiert, der findet hier das Feinste vom Feinsten – übrigens in liebevoller Weise von einem örtlichen Museumsverein betreut, dessen Mitglieder ab und an auch in Uniformen von 1866 nach dem Rechten schauen.

21. Mai:  Noch einmal gutes Brot und ein paar Skischanzen

Die Dvoracky Bouda hatte es uns ja schon auf unserer Wanderung vom 17. Mai – schon wegen der Qualität des Brotes, das man dort backt – sehr angetan. Damals waren wir von oben her, über den Kotel-Berg, anmarschiert. IMG_6100Diesmal sind wir direkt von unten aus Harrachov zunächst entland des Ryzí potok (Bach) hinaufgewandert. Bei klarem Wetter und schöner Aussicht genossen wir auf der Hütte  wieder Suppe und Brot. Dann ging es den Bergkamm entlang bis zur schönen Steinformation des Janova skála (Johannesfelsen, Bild rechts) hin zum Gipfel des 1022 Meter hohen Čertova hora (früher: Teufelsberg).

IMG_6107Vom Gipfel aus hat man eine unendlich weit anmutende Aussicht auf Harrachov und darüber hinaus. Seilbahnen und Skipisten (im Sommer für Drachenflieger ein Paradies) deuten darauf hin: In Harrachov steht der Sport im Mittelpunkt.

Auf dem Weg vom Teufelsberg hinunter zur Stadt wird man fast überall daran erinnert: Harrachov war mehrfach – etwa 1983 und 2009 – Austragungsort von wichtigen Skiweltmeisterschaften. Die Tradition als großer Wintersportort geht schon auf die Tage der Ersten Republik zurück (in kleinerem Maßstab schon davor). DIe gigantischen Skisprungtürme, neben denen wir abstiegn, zeugten davon.IMG_6110

Von unten heraufzuschauen ist schon beeindruckend. Ich würde da nie runterspringen. Möglicherweise würde ich nicht einmal hinaufsteiegn, um nur herunterzuschauen. Schwindelerregend! Mit diesem Eindruck im Kopfe ging es dann zurück per Auto nach Hostinné.

    22. Mai.  Ein Wasserfall und ein überraschendes Museum

Man sollte immer alle Dinge von zwei Seiten aus betrachten, so auch das Riesengebirge. Also ging es mal wieder hinüber über den Pass bei Harrachov nach Polen. Genauer: Nach Szklarska Poręba (früher: Schreiberhau).

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Dort, so hieß es, könne man sich einen tollen Wasserfall, den Wodospad Szklarki (Kochelfall), anschauen, um dann von unten nahe an die Schneegruppen am Gipfel des „Großen Rads“ (siehe Wanderung am 6. Mai) aufzusteigen. Unterhalb des Ortes fanden wir einen Parkplatz mit vielen Souvenirläden. Der Wasserfall wird exzellent vermarktet, sodass man so etwas wie die Niagarafälle zu erwarten beginnt. Tausende Touristen und Schulklassen strömen dorthin. Realiter ist der Fall dann wirklich hübsch (siehe großes Bild oberhalb) und hätte IMG_6114wohl mehr begeistert, wenn man nicht überzogene Erwartungen eingeimpft bekommen hätte. Zudem ist die Fallkante oben diskret mit einer Stahlschiene künstlich erhöht, damit er grandioser aussieht (Bild rechts). Trotzdem, den kurzen und ebenen Spaziergang vom Parkplatz ist der Anblick werden.

Aber dann sollte man ambitionierter werden und einen wirklich steilen, fast immer geradewegs hoch führenden Weg bis zur Hütte Pod Łabskim Szczytem (früher: Alte Schlesische Baude) in Angriff nehmen. Das war wohl in der Tat die steilste unter unseren Touren im Riesengebirge. Aber es war es wert.

Es geht tobende Kaskaden eines herrlichen Gebirgsbaches entlang. Man sieht viele Wasserströme, die es an Schönheit den Wasserfall gleichtun, nur mit dem Vorteil, dass IMG_6122sie weniger beworben und weniger leicht zu erreichen sind. Deshalb trifft man kaum noch Touristen und Schulklassen, sondern lediglich eine handvoll zünftiger Bergwanderer. Sonst gibt es nur idyllische Natur um einen herum.

Den Aufenthalt auf der Hütte mit einem kühlen Getränk hat man sich dann redlich verdient. Leider bestätigt sich hier wieder, dass das Angebot auf der Getränke- und Speisekarte auf der tschechischen Seite des Gebirges weit weniger spartanisch ausfällt als in Polen. Ausgefallene Cuisine und selbstgebrautes Bier sucht man vergebens. Es gibt meist Fertigsnacks. Hier war IMG_6118immerhin die Getränkeauswahl gut. Außerdem machte der extrem freundliche Service vieles wett. Mit einem Gemisch von Tschechisch, Englisch und Deutsch kann man sich auch hier gut verständigen. Die Aussicht über die Fels- und Waldlandschaft von hier oben ist mal wieder grandios.

Für den Rückweg wählten wir gemäß Wanderführer einen gut ausgebauten Forstweg, der weniger steil und mehr geschwungen hinunter nach Szklarska Poręba führte. Unten am Fuß des Berges gab es dann noch eine große Überraschung, die wir (wie es so mit Überraschungen üblich ist) nicht erwartet hatten. Am Rande des Ortes fiel sofort ein IMG_6123hübsches und verschnörkeltes Holzhaus aus dem späten 19. Jahrhundert (als Szklarska Poręba zum Touristenort wurde) auf, dass an ein putziges Hexenhäuschen erinnerte. Als wir näher kamen, aahen wir, dass es das örtliche (private) Mineralogische Museum in Szklarska Poręba beherbergte.

Die Mineralien- und Fossiliensammlung dort war enorm. Neben vielen Stücken aus anderen Ländern, sind es vor allem die geologischen Besonderheiten der Region, die den Hauptteil der Exponate ausmachen. Auch wenn die Beschriftungen meist auf Polnisch sind, lernt man hier viel. Schulklassen sind offenbar eine besonders erfolgversprechende Kundenklientel. Für sie hat man im Museum auch noch Repliken bekannter IMG_6124Dinosaurierskelette ausgestellt. Die sehen herrlich handgemacht aus und erfüllen ihren Zweck, Jung und Alt zu unterhalten, auf das Trefflichste.

Mein Lieblingssaurier, der angeblich kannibalistisch veranlagte Kleinsaurier Coelophysis, war zu meiner großen Freude auch vertreten (Photo rechts; leider ließen sich die Spiegeleffekte der Vitrine nicht vermeiden)!

Sachlogisch weder mit Fossilien noch mit Mineralien und auch nicht mit Saurieren verbudnen, aber dennoch einfach schön anzuschauen, war ein kleiner Raum ein den Modellspielzeugautos ausgestellt wurden. Zum Abschluss eines tollen Wandertages war diese Museum noch einmal ein Highlight, dass sich wie ein Sahnehäubchen auf den Kakao ausnahm!

   23. Mai:  Improvisierte Tour

Eigentlich wollten wir wie am 19. Mai von Horní Malá Úpa (früher Ober-Kleinaupa) wieder zur Jelenka Bouda unterhalb der Schneekoppe wandern. Nur mit dem Unterschied, dass es diesmal durch den polnischen Teil des Nationalparks gehen sollte, von dem man liest, dass er dort besonders spektakulär sein soll. Schon wenige hundert Meter vom parkplatz weg standen wir vor einem Schild, dass das Betreten dieses Teils des Nationalparks verbot. Es sei gerade die Auerhahnbalz und die Tieren möchten dabei nicht von indiskreten Touristen gestört werden.

Daraufhin mussten wir uns von unserem Wanderführer abwenden und improvisieren. Mit der Karte in de Hand wanderten wir vom Parkplatz in Horní Malá Úpa nicht westwärts, sondern ostwärts den Grenzweg zwischen Tschechien und Polen entlang. Warum sollten Landschaft und Aussicht dort nicht schön sein? Nur weil das Ganze in keinem Wanderführer angepriesen wird? Und richtig, das Riesengebirge ist überall schön! Und es war garantiert, dass man wirklich alleine die Natur genießen konte. Kaum ein Tourist weit und breit!

Es gab bei der Wanderung an diesem Tag keine einzeln herausragende Sehenswürdigkeit, dafür aber ein Übermaß an satter Waldlandschaft, verschlungenen Wegen und endlosen Aussichten. Besonders schön war der Blick über die Landschaft um den Bukówkasee im polnischen Niederschlesien (großes Bild unterhalb).

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Der Weg, der steckenweise ein unerkennbarer Trampelpfad durch dichten Wald war, führte nach einer Weile steil abwärts die polnische Gebirgsseite hinunter. Wie tief das war, stellte sich erst richtig raus als man etwas südlich bei Dolní Malá Úpa (Unter-Klein-Aupa) wieder steil aufstieg. Den höchsten Punkt der Wanderung erreichten wir auf IMG_6131dem 1188 Meter hohen Lysečina (früher Kolbenberg). Von hier aus hat man einen Ausblick auf die schönste Seite der Schneekoppe – was alleine die Wanderung wert war (Bild links).

Von da ab ging es über eine pittoresk anmutende Waldlandschaft sanft hinunter zurück nach Horní Malá Úpa, wo das Auto wartete.

Bevor wir abfuhren, gab es noch etwas anderes zu erledigen. Schon bei der Wanderung am 19. Mai war uns aufgefallen, dass es mitten in diesem sehr kleinen (allerdings fremdenverkehrsmäßig gut erschlossenen) Ort eine recht beachtlich aussehende Brauerei mit Ausschank gab, die Trautenberk Brauerei. Die gibt es da erst seit 2015, aber sie hat sich bereits einen verdient guten Namen gemacht. Das Bier (mehrere exzellente Sorten!) gibt es nur im Ausschank und nicht im Vertrieb. Außer der trautenberkBrauereigaststätte bekommt man es nur an wenigen Orten innerhalb Malá Úpas. Aber man kann sich gegen einen kleinen Obolus eine lustig kugelige Plastikflasche (Bild rechts, hier mit dem leckeren Halbdunklen mit 13% Stammwürze) frisch füllen lassen.

Da wir mit dem Auto gekommen waren und uns daher im Interesse unseres Führerscheins nicht in der Gaststätte selbst angemessen betrinken durften, nahmen wir diesen Service des Hauses gerne in Anspruch. Drei Flaschen mit verschiednen Sorten haben wir gekauft. Die spätere (genußvolle) Verkonsumierung des Bieres rechtfertigte das mühevolle Opfer des Flaschenschleppens.

    24. Mai: Über und rundum Kowary

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Kowary (früher: Schmiedeberg) in Polen war der Ausgangspunkt der Wanderung dieses Tages. Vor hier aus stiegen wir hinauf auf die 935 Meter hoch gelegene Ostra Mała (früher: Freie Koppe), IMG_6135eine malerische Felsformation, die dem Riesengebirge vorgelagert ist. Von dort aus hat man eine schöne Aussicht, die gleichermaßen Niederschlesien und das Riesengebirge selbst umfasst.

Der heutige Tag beglückte nicht gerade durch schönes Wetter. Kalt, regnerisch und neblig war es. Die Aussicht reichte daher nicht so weit wie es an einem sonnigen Tage der Fall gewesen wäre, aber davor nahm sich der wolkenverhangene Himmel sehr malerisch aus und IMG_6140strahlte eine Atmosphäre aus, die an die Landschaftsstudien alter niederländischer Meister erinnerte.

Oben war es so regnerisch und windig, dass wir auf der windgeschützten Seite des Berges wieder hinabstiegen – ohne noch den höchsten Gipfel des Kamms, den nahegelegenen Skalnik (Friesensteine) erreichen zu wollen.

Auf dem (gut ausgebauten und markierten) Weg zurück ins Tal stieß man immer wieder auf Industrieruinen, die zum Teil recht stattlich groß waren. Die Region war einmal reich und war ein Bergbauzentrum. Von 1948 bis 1972 baute man sogar Uranerz ab. Seit den 70er Jahren war diese Branche im Niedergang begriffen; heute ist fast nichts mehr davon übrig. Man versucht seitdem, den Torismus anzukurbeln, was aber erst langsam zu wirken scheint.

IMG_6143Das merkt man auch, wenn man nach Kowary hineinkommt. Die Stadt hat schon bessere Zeiten gesehen. Recht viel Verfall und Elend sieht man. Immerhin: Den inneren Altstadtkern hat man vorbildlich in Schuss gehalten. Die Stadt kann auf eine Geschichte zurückblicken, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Barock und Klassizismus haben ebenfalls tiefe architekturische Spuren hinterlassen. Dem Klassizismus verdankt die Stadt auch das architektonische Schmuckstück schlechthin: Das Rathaus. IMG_6142Es wurde nämlich von keinem Geringeren entworfen als dem berühmten Architekten Carl Gotthard Langhans.

Dem verdanken die Deutschen eines ihres Wahrzeichen, das Brandenburger Tor in Berlin. Hier im weit abgelegenen Kowary kann man also einen echten „Langhans“ sehen, ohne dass man in einem Touristenmeer schwimmen muss. Das ist schon einen Besuch im Orte wert! Nach der Besichtigung der Altstadt ging es zurück zum Auto. Ach ja, der kleine Zeh am rechten Fuß tat ein wenig weh ….

    25. Mai: Alleine mit Hund rund um Hostinné

Vor zwei Tagen hatte ich (=DD) mir an einem Stuhlbein den rechten kleinen Zeh gestoßen. Trotzdem hatte ich mit Frau und Hund die Wanderung um Kowary gemacht. Heute war IMG_6150der Zeh dick geschwollen und dunkelrot und tat richtig weh. Schade: Die heutige Wanderung rund um Hostinné machten meine Frau und Lady Edith ohne mich. Ich blieb in der Ferienwohnung und schonte meinen Fuß (meist in kaltem Wasser).

Die Photos meiner Frau zeigen, dass man auch rund um Hostinné im Vorgebirgsland wunderschöne Landschaftserlebnisse haben kann.

Saftige Wiesen, sanfte Hügel und ab und zu eine schöne kleine Kapelle oder ein IMG_6144Wegkreuz – so sieht die Landschaft aus. In nicht allzu weiter Ferne kann man das Riesengebirge aufragen sehen.

Und man hat einen Blick von oben auf die Stadt. Man IMG_6148sieht Kirche und Altstadt und am Rande auch die Reste der einstmals hier blühenden Industrie. Die hohen  Schornsteine, die man rund um Hostinné sieht, rauchen schon seit einiger Zeit nicht mehr.

Naja, und während die beiden so wanderten, fing es dem kleinen Zeh auch schon wieder an, besser zu gehen. Aber die Zeit der großen Riesengebirgswanderungen war sowieso abgelaufen. Jetzt hieß es Koffer packen …

   26. Mai: Abreise, aber vorher noch ein Blick von oben

Bevor wir abfuhren ermöglichte uns die Vermierterin der Ferienwohnung, die auch im Rathaus beim Fremdenverkehrsamt arbeitete, etwas ganz Besonderes: die Besichtigung des Rathausturms mit den beiden Rolanden/Rübezahls von innen! Und so sieht der Blick von ganz oben aus:

IMG_6155

Außerdem zeigte sie uns noch einige Innenräume. Besonders hatte es uns das noch authentisch im Renaissance-Stil (das Rathaus wurde von 1570 bis 1600 erbaut) erhalten gebliebene hübsche Hochzeitszimmer. Da mussten wir IMG_6161uns einfach zusammen photograhieren lassen – fast so als ob wir gerade dabei wären, uns frisch zu vermählen. Wie romantisch!

Zu sehen gab es außerdem noch die kleine Arrestzelle und den etwas moderner gehaltenen Ratssaal.

Verlässt man das Rathaus wieder, findet man links neben dem Ausgang das Fremdenverkehrsbüro, wo man sich in einem kleinen und wohlsortierten Laden mit Wanderkarten, Souvenirs, Delikatessen und Informationen zu den Sehenwürdigkeiten der Stadt eindecken kann. Das haben wir auch getan. Dann ging es zurück nach Prag in der Gewissheit, das dies nicht der letzte Aufenthalt im gastlichen Hostinné und im wunderbaren Riesengebirge gewesen war.

   Noch einige kleine Nachträge

Essen und Trinken in Hostinné: Unser absolutes Lieblingslokal lag einige Minuten außerhalb des Stadtzentrums: das urgemütliche Restaurace U Soudku! Und wir vermuten, dass wir mit dieser Einschätzung nicht alleine stehen. Wer hat gesagt, das böhmische Küche nicht raffiniert sein kann? IMG_5385Und trotzdem die Portionen nicht kleiner werden? Nur jemand, der noch nicht dort war. Deftig, aber abwechslungsreich ist das, was die sehr umfängliche Speisekarte bietet. Das Bier ist aus dem Riesengebirge (genauer: das nach Rübezahl benannte Krakonoš aus Trunov, dessen Logo die Wand des Gasthauses ziert). Raffiniert fanden wir das „Halbdunkle“ – ein Mix aus hellem und dunklem Bier. Das wurde so geschickt gezapft, dass sich die beiden Biersorten nicht mischten, sondern in Schichten übereinander lagen. Man könnte von einem Latte macchiato in Bier reden. Das lag an der Zapfkunst, denn mit denselben Biersorten hat das sonst niemand hingekriegt.

Die anderen beiden Restaurants im Ort, die wir ausmachen konnten, waren auch empfehlenswert. Da war das etwas gehobenere Penzion14. Es gehört zu einem kleinen Hotel. Es versorgt den Gast nicht nur mit böhmischer, sondern mit etwas internationalerer Küche.

Und dann ist das das Techtex Sport. Da ist ein großes Restaurant, das zu einem gleichnamigen Sporthotel gehört. Auch hier gibt es recht abwechslungsreiche Küche, die in Portionen serviert wird, die für Menschen geeignet sind, die einen hohen Kalorienverbrauch haben – ist ja auch ein Sporthotel! Fazit: Verhungern muss man in Hostinné nicht. Sowohl in qualitatives als auch quantitativer Hinsicht wird man nicht enttäuscht, wenn man in eines der drei Restaurants (mit einem klaren Spitzenreiter) geht. Ach ja: Das in Reiseführern meistgenannte Restaurant Hostinnés, die Ratsgaststätte Dorinka, wurde gerade umgebaut, so dass wir sie nicht testen konnten.

Industrieruinen in Hostinné: Die Stadt Hostinné war einst ein kleines Zentrum mittelständischer Industrie. Ende des 19. Jahrhunderts und noch zu Zeiten der Ersten IMG_5371Republik drängten sich kleine Fabrikanlagen direkt an die Innenstadt. Besonders die Papierproduktion boomte hier. Die meisten Besitzer waren Deutsche und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben. Es folgte das üblicher Herabwirtschaften durch die Kommunisten. Heute ist keine der alten Fabriken mehr im Betrieb. Sie verfallen langsam.

Normalerweise würde das einen Ort wie Hostinné in öde Trostlosigkeit stürzen und einen verwahrlosten Eindruck hinterlassen. Das ist aber in Hostinné nicht der Fall. Die Stadt ist äußerst proper. Die einstmals stolzen Fabrikanlagen (früher achtete man eben auch bei Nutzarchitektur auf Ästhetik!), die meist malerisch an der sanft vorbeifließenden Elbe liegen, verströmen so eine Art Ruinenromantik wie man sie von alten Burgen kennt.

Sgraffito modern: Viele der alten Bauten am Marktplatz von Hostinné sind mit hübschen Sgraffiti ausgeschmückt. Bei dieser Kunsttechnik werden verschiedenfarbige Putzschichten auf eine Wand aufgetragen, damit dann OrnamenIMG_6133te herausgekratzt werden können, das heißt, die darunter befindliche andersfarbige Schicht wird freigelegt. Hübsche Bilder lassen sich so gestalten. So etwas war typisch für die Renaissance, danach aber dann doch eher unüblich.

Ein besonders kreativer und geschichtsbewusster Bewohner Hostinnés, der sein Haus wohl in den 70er oder 80er Jahren baute, fand aber, dass er sein modernes Haus auch im Stile der Stadt und ihrer Traditionen gestalten sollte. In der Tat ist dieses Haus an einer der Ausfallstraßen des Ortes auffälig in seinem Gegensatz zwischen alt und neu – ein Blickfang geradezu.

Zwei Museen im Kloster: Am Rande der Stadt befindet sich ein altes Franziskanerkloster, das von 1677 von 1684 durch den Archtitekten Wolfgang Dientzenhofer im Barockstil erbaut wurde. Darin befinden zwei Museen. Im Erdgeschoss IMG_5865sieht man die beeindruckende Glyptothek, d.h. eine Sammlung von Gipsabdrücken antiker Meisterwerke der Bildhauerkunst. Sie gehörte einst der Karlsuniversität und gelangte auf vielen Umwegen schließlich nach Hostinné.

Im ersten Stock befindet sich das Städtische Museum. Sowohl in didaktischer Qualität aks auch im Umfang übertrifft das Hostinnér Museum alle anderen Lokalmuseen in der Region. Es ist wirklich sehenswert! Die abgedeckte Zeit reicht von der Stadtgründung im 13. Jahrhundert bis zur kommunistischen Machtübernahme 1948. Aspekte wie Klosterleben, Bergbau, Vereinswesen oder Imkerei werden sorgfältig abgehandelt. Man sollte sich Zeit nehmen!

IMG_5867Kubismus: Der Kubismus fand in seiner architektonischen Ausprägung fast nur in Tschechien Verbreitung. In Prag gibt es unzählige Meisterwerke (wir berichteten darüber hier, hier, und hier u.v.a.), die weltbekannt sind. Aber auch in der „Provinz“ hinterließ der Stil seine Spuren. Die Brücke in Hostinné, die über die Čistá führt (die hier in die Elbe mündet) ist jedenfalls Kubismus vom feinsten. Es handelt sich um eine für damalige Verhältnisse sehr avantgardistische Stahl- und Betonkonstruktion, die 1910 von dem Architekten Fritz von Emperger entworfen wurde.

 

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