Svatopluk Čech

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Im späten 19. Jahrhundert entdeckten immer mehr Intellektuelle und Schriftsteller(siehe u.a. hier) in Böhmen den tschechischen Nationalgedanken für sich.Das österreichisch-ungarische Reich begann man als Völkergefängnis zu betrachten. Man wollte mehr Autonomie für Böhmen oder gar Unabhängigkeit. Irgendwie hielt sich dieser Nationalismus noch in einigermaßen liberalen Bahnen . Deshalb hält man ihr Andenken immer noch hoch. Das geschieht in Prag in Form unzähliger (!) Denkmäler.

Svatopluk Čech (1846-1908) war einer von Ihnen. Nach ihm ist in Vinohrady gleich ein ganzer Park benannt, den ein riesiges Denkmal ziert (großes Bild).Heute sicher nicht mehr der bekannteste aller tschechischen Dichter, war Čech seinerzeit immerhin so berühmt, dass der Park schon 1903 – also noch zu Lebzeiten! – nach ihm benannt wurde. Die Statue von Jan Štursa kam allerdings erst 1924 dazu.

Und damit nicht genug! Man kann ihn auch auf dem Friedhof auf dem Vyšehrad besuchen. Der ist ja so etwas wie der Nationalfriedhof, wo die Großen des Landes ihre letzte Ruhestätte finden. Wir berichteten schon hier und hier darüber.

Aber nicht nur die zwei Statuen und der Park erinnern an ihn, sondern auch eine der großen Prager Brücken über die Moldau ist nach ihm benannt.

img_3011Čech war ein produktiver Schriftsteller. Viele seiner Werke behandeln historische Themen aus der Vergangenheit Böhmens – wie etwa sein erstes Buch, das Epos „Der Hussit auf dem Baltikum“ (Husita na Baltu) von 1868.

Auch Romane  gibt es im Repertoire. So die humoristischen Milieuschilderungen in seinen beiden Bücher über die „Reisen des Herrn Brouček“ von 1888/89 (sie wurden von Leoš Janáček 1920 als Oper vertont).

Seine Satire „Hanuman“ (1884) schildert einen Affenstaat, der sich durch recht offenkundige Parallelen zum Habsburgerreich auszeichnet.

Und dann sind da die unzähligen Gedichte, die dem heutigen Leser vielleicht etwas schwülstig vorkommen mögen, denen es aber nie an Freiheitspathos mangelte. Hier ein Vers aus „Die Lieder des Sklaven“ (Písně otroka) von 1895 in späterer deutscher Übersetzung:

svatopluk

Im ganzen Gedicht werden Böhmen und die Habsburgerherrschaft nicht einmal erwähnt. Dennoch ist mehr als klar, was hier gemeint war. (DD)

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