Und heute fahren die Autos darunter her …

img_3470

Der Legende nach handelt es sich um das „Bad der Libuše“. Auf einem über der Moldau ragenden Felsvorsprung des Vyšehrad befindet sich ein kleines mittelalterliches Festungsbollwerk, dessen Ursprünge später mythisch verklärt wurde. Von hier habe, Libuše, die spätere Stammmutter des des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden dereinst einen Liebhaber, dessen sie überdrüssig war, in den Fluss geworfen. img_2090Die offenbar recht resolute Dame verhalf schließlich der Sage nach um das Jahr 900 dem Fürsten Přemysl durch Heirat auf den Thron und begründete damit quasi den böhmischen Staat. Gleichzeitig rief sie zur Gründung einer Stadt auf, weshalb der Vyšehrad als der Geburtsort der Stadt Prag gilt, der sie angeblich auch schon eine große Zukunft prophezeit hatte.

Libuše ist daher fast allgegenwärtig oben auf dem Berge. Unweit der Ruinen findet sich zum Beispiel das pompöse Denkmal von ihr und Přemysl, das sie auffallend emanzipiert und dominant in Prophetinnenpose neben ihrem Ehemann zeigt (kleines Bild links). Entworfen wurde es 1897 von dem Bildhauer Josef Myslbek, dessen Werke sich generell durch einen Hang zum Monumentalen und Patriotischen auszeichnen.

img_2249Wie dem auch sei, schaut man von oben über das „Bad der Libuše“ hinweg, hat man eine schöne Aussicht auf die Moldau (kleines Bild rechts). Eigentlich sieht man es den Ruinen irgendwie an, dass sie kein Bad waren. In Wirklichkeit diente das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert dem Zweck, dass man von dort aus per Seilzug Waren vom Fluss in die damalige Burg befördern konnte. Die Geschichte mit dem Bad an diesem Ort ist eine Erfindung der Romantik.

Vom Flussufer aus präsentiert sich das ganze etwas anders. Hier befindet sich eine äußerst vielbefahrene Hauptverkehrader. Ein Tunnel führt durch den Felsvorsprung, auf dem das „Bad der Libuše“ thront. Autos und Straßenbahnen zwängen sich hindurch. Als man den Tunnel 1904 erbaute, bemühte man sich immerhin darum, das Ganze optisch dem geschichtsträchtigen Umfeld gerecht werden zu lassen – woran sich manche moderne Stadtplaner andernorts ein Beispiel nehmen könnten. Wie man auf dem großen Bild oben sieht, wurde der Tunneleingang in feinsten neogotischem Stil der alten Burganlage nachempfunden. Nur dass eben keine Ritter zu Pferd, sondern Pendler mit dem Auto hindurchfahren. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s