Verschwörertreffen

kramarrasinsis

Die „Wilde Šarka“ ist ein Ort, der von alten Sagen umwoben ist. Wir berichteten bereits hier darüber. Aber auch reale Geschichte fand in dieser abgründigen Schluchtenlandschaft statt. Sie war nicht minder spannend.

Der Erste Weltkrieg: Viele Tschechen und Slowaken sahen darin auch die Chance, sich vom Habsburgerreich zu lösen und eine selbstbestimmte Zufunft zu suchen.

Zum Beispiel Karel Kramář. Er war anfänglich ein wenig der der Gegenspieler zu dem wesentlich liberaleren Tomáš Garrigue Masaryk, dem großen Gründerpräsidenten der Tschechoslowakischen Republik. 1915 wurde er von den Österreichern als potentieller Landesverräter verhaftet, zum Tode verurteilt, dann zu lebenslanger Haft begnadigt.

Oder der Ökononom Alois Rašin, ein politischer Mitstreiter Kramařs. Auch ihm wurde 1915 dasselbe Schicksal zuteil. František Sís, ein nationalistischer Publizist, entging zwar der Verhaftung, aber erst 1917 bot sich die entscheidende Möglichkeit zum politischen Handeln. In diesem Jahr starb Kaiser Franz-Josef; sein Nachfolger Karl I. erließ einen allgemeinen Gnadenerlass.

So konnten Kramař, Rašin und Sís sich hier im Šarka-Tal heimlich als Verschwörer treffen, um die Gründung  eines Widerstandskomitees, „Maffia“ genannt, zu organisieren, dass 1917-18 wesentliche Vorbereitungen für die Gründung einer unabhängigen Tschechoslowakei leistete.

Die oben abgebildete Plakette erinnert daran. Sie wurde erstmals 1931 dort von der örtlichen Nationaldemokratischen Partei angebracht, während der Nazi-Okkupation entfernt, aber 2001 durch den örtlichen Rat wieder angebracht. Sie erinnert an den Freiheitskampf und daran, dass man die Zukunft verspielt, wenn man die Vergangenheit nicht kennt.

Alle drei spielten auch nach der Erreichung der Unabhängigkeit eine wichtige Rolle in der Politik. Kramař wurde unter Präsident Masaryk der erste Regierungschef, Sís wurde Mitglied der Nationalversammlung. Traurig war das Schicksal Rašins. Er wurde Finanzminister der Republik. 1923 bekämpfte er die damalige Wirtschaftsflaute mit dem, was man heute Austeritätspolitik nennt. Er verhinderte das Inflationsdrama, das Deutschland im selben Jahr heimsuchte, aber um den Preis hoher Arbeitslosigkeit. Ein Kommunist erschoss ihn dafür im gleichen Jahr. (DD)

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